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Werbung für Designer-Mode
Von frigiden Bürschchen und Schnutenmädchen
von Gabriele Bärtels
Bevor man zum Inhaltsverzeichnis eines Hochglanz-Magazins gelangt, muss man meistens viele Anzeigen überblättern. Es handelt sich dabei um doppelt- und dreiseitige Werbung von Dolce & Gabbana, Hugo Boss, Jil Sander, Prada, Gucci und Konsorten.
Natürlich weiß ich nicht, was ein fashion victim sieht, wenn es die Bilder der schafgesichtigen Model-Gesichter betrachtet, die in schlechter Haltung in futuristischen Kulissen herumsitzen, stehen oder liegen. Ich kann die Zielgruppe jedenfalls nicht sein, denn mir ist schleierhaft, bei wem Kaufreiz ausgelöst wird, wenn doch der Eindruck aufkommt, die Menschen, die die jeweilige Designermode hier beispielhaft vortragen, hätten ein IQ unter Null und ein Herz aus Schnee.
Man möchte die frigiden Bürschchen mit den glänzenden Muskeln, die da in allen erdenklichen Posen vor sich hinstieren, an die Hand nehmen und zu einem Psychiater bringen, der ihnen Antidepressiva einflößt, und die Schnuten-Mädchen zum Karneval oder zu einer Beerdigung mitnehmen, um sie aus der Fassung zu bringen, denn egal ob sie weinen oder lachen, Hauptsache, sie schauen nicht weiter so, als ob sie jegliches Freud & Leid auf der Welt schon gesehen haben, und alles spurlos abgetropft ist.
Wenn sie überhaupt mal in die Kamera gucken, bedeuten sie dem Betrachter, dass ihre schlechte Laune schick und kosmopolitisch ist, dabei hängen sie in ihrem feinen Zwirn wie in Fischfangnetzen, und man möchte nicht glauben, dass sie einen Fahrscheinautomaten bedienen können. Ihre in die Wüste gerichtete Aufmerksamkeit zeigt, dass es ihnen herzlich egal ist, was ich über sie denke.
Schon klar, dass Hersteller sich lange davon entfernt haben, ihre Produkte gut erkennbar darzustellen und mit nützlichen Informationen zu versehen, vielmehr soll Werbung heute ein Lebensgefühl vermitteln, dem der Kunde sich unbedingt anschließen möchte. Doch diese in bestes Licht getauchten Zielgruppenvertreter lungern den ganzen Tag bloß herum, und Langeweile kriecht durch ihre Augen wie Schnecken. Würde man ihre Konterfeis mit Sprechblasen versehen, so blieben diese gähnend leer.
Ich glaub, ich geh mir lieber ein Dirndl kaufen.
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