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In der U-Bahn weinen

Von Gabriele BĂ€rtels


Heute habe ich wieder eine gesehen. Sie stieg ein, setzte sich auf den ersten, freien Platz am Fenster und starrte nach draußen, als hĂ€tte ihr Blick sich festgebissen. Doch sie konnte nichts dagegen tun, dass ihre Augen gerötet waren, und als sie die Hand hob, sah ich, dass sie darin ein Taschentuch-KnĂ€uel verbarg. Sie presste die Hand vor den Mund, und ihre Schultern zogen sich hoch, um nicht zu zucken. Wenn sie ihrer Stimme freien Lauf gelassen hĂ€tte, wĂ€re sie in Klagen ausgebrochen, so aber drang kein Laut durch ihre Finger, nur eine TrĂ€ne sickerte an ihrer Nase vorbei, und sie verwischte sie, bevor die nĂ€chste kam.

Die U-Bahn hatte lĂ€ngst die TĂŒren zugeschlagen, war mit einem Ruck angefahren, und draußen gab es wirklich nichts mehr zu sehen, aber ihr Blick hielt eisern die Stellung. Ich saß ihr gegenĂŒber, und wir teilten den Waggon mit wohl noch zwanzig anderen FahrgĂ€sten, die die Augen niederschlugen. Was ihr Kummer war, erfuhr ich nicht, denn ich musste an der nĂ€chsten Station raus.

 

 

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