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Nicht totgeschwiegen

belauscht von Gabriele BĂ€rtels


In einem schicken CafĂ© drĂ€ngen sich StĂŒhle und Tische dicht zusammen. Am Nachbartisch sitzen zwei Frauen und ein Mann Mitte dreißig, scheinbar befreundet.

Die eine erzÀhlt von einer Frau, deren schwedischer Liebhaber sie besuchen wollte, aber erst nach dem Wochenende, das er beruflich in Holland verbringen musste.

ZufĂ€llig habe diese Frau dann mit einer Kollegin aus einer Werbeagentur telefoniert. Man plauschte, und die berichtete, dass sie am Wochenende auf Fehmarn gewesen sei, mit einem gewissen Björn aus Stockholm. "Witzig," habe die Frau geantwortet, "einen Björn aus Stockholm kenne ich auch, sehr gut sogar." Es dauerte noch ein paar SĂ€tze, bis die telefonierenden Damen herausfanden, dass es sich um denselben handelte, der doch angeblich in Holland hatte arbeiten mĂŒssen.

Die Frau lacht ĂŒber ihre eigene ErzĂ€hlung und offenbart am Ende, dass sie selbst die Betrogene ist.

Ihre Freundin schĂŒttelt den Kopf. "Ich habe Dir schon so oft gesagt, dass Du Dir immer die Falschen aussuchst."

"Vergiss es", bekrÀftigt der Freund.

"Das sage ich ihr schon ewig", echot die Freundin.

Es entsteht eine winzige Pause.

Dann sagt die Frau: "Kann ich nicht. Ich habe mit ihm den besten Sex meines Lebens."

Es entsteht eine weitere winzige Pause.

Dann lacht der Freund auf. "Soso."

"Ja", sagt die Frau trotzig, "es bringt doch nichts, wenn man das totschweigt."

"Da hast Du Recht", antwortet die Freundin und rĂŒhrt in ihrer Kaffeetasse.

Sie wechseln das Thema.

 

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