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Das beste StĂŒck: Der Schwanz und sein Mann

Von Jutta Rolfing


nicht weiterlesen, wenn Sie sehr empfindlich sind

Mein Wissen ĂŒber das primĂ€re Geschlechtsorgan des Mannes beruht auf eigener Anschauung und Zeugenaussagen und ist daher sowohl subjektiv als auch selektiv. NaturgemĂ€ĂŸ sind die Haupt-Informationsquellen verflossene Geliebte.

Einen zitiere ich hier: „Du kannst sicher sein: Ist ein Mann allein, hat er fast immer seinen Schwanz in der Hand.“ Sobald er nur eine davon frei hat, zupft er an ihm, rĂŒckt ihn zurecht, massiert ihn großflĂ€chig. Möglicherweise sind die tiefen Hosentaschen der AnzĂŒge ein stillschweigender Service der Konfektionsbranche und das darin klimpernde Kleingeld nur ein vernĂŒnftiger Vorwand, sich auch in der Öffentlichkeit dauernd des Vorhandenseins seines Zentralorgans zu versichern. Wenn man sich das recht ĂŒberlegt als Frau, wird einem eine Tragweite klar, die man so nie bedacht hat.

Dass sein Zentralorgan nicht Herz oder Hirn sein kann, beweist die Tatsache, dass der Mann von allen Körperteilen nur seinen Schwanz mit Namen ruft, die ihm erst herausrutschen, wenn man lange schmeichelt. Es sind - gelinde gesagt - vorwĂ€rtsdrĂ€ngende, wenig poetische Namen wie Feuerwehrschlauch, Hobel, DĂŒsenjet oder RĂŒssel. Manche MĂ€nner haben auch einen kleinen Max oder Lutscher. Haben sie dieses ausgeplaudert, fĂŒhlen sie sich etwas unwohl, und eine Frau ist gut beraten, entweder keinen Kommentar abzugeben oder einen beeindruckten.

Das Herrchen tut gern so, als ob es auf das Tierchen keinerlei Einfluss hĂ€tte, aber umgekehrt ist das nicht so. BeschĂ€ftigt eine Frau sich spielerisch mit seinem prominenten Schwellkörper – schwenkt ihn zum Beispiel in den warmen, schaumigen Wellen der Badewanne, untersucht die Eichel und das schlitzförmige, doch sehr niedliche Loch darin, so wĂ€chst nicht nur das Tierchen - das ganze Herrchen kann nicht anders, als zufrieden dreinzuschauen, egal, was draußen vor sich geht.

Mann: „Keiner freut sich sonderlich darĂŒber, wenn eine Frau seine Augen oder HĂ€nde schön findet. Er will, dass sein Schwanz gelobt wird, sonst nichts.“ (Das erklĂ€rt vielleicht das Desinteresse, das verschiedene XY-Chromosomen ihrer Ă€ußeren Erscheinung zuwenden.)

Mit einiger Ungeniertheit geben MĂ€nner zu, dass sie tĂ€glich masturbieren. (Manche reagieren aber auch erbost, wenn man sie darauf anspricht.) Einer teilte mir nach einem wichtigen, geschĂ€ftlichen Abschluss per SMS mit, dass er in seinem Hotelzimmer gerade eine Rakete in die Luft gejagt habe. Das ist so sĂŒĂŸ, das möchte man nachmachen oder dabei gewesen sein.

Sie sehen sich Ă€hnlich, das GemĂ€cht und sein Mann. Ist das eine lang und dĂŒnn, ist der andere ebenfalls lang und dĂŒnn. Man könnte sogar sagen, der einzelne Mann und sein PersonalpronomenhĂ€tten einen vergleichbaren Charakter. Das eine wuchert aus einem wilden Busch heraus, dicke Adern ziehen sich ĂŒber einen Schaft, der wie eine verwitterte Statue wirkt, darauf sitzt die Eichel wie ein tief ins Gesicht gezogener Tropenhelm. Das andere steht in rosaroter Nacktheit glĂ€nzend und lĂ€chelnd inmitten blonder Flusen. Ein drittes, tiefbraun, wird zum Ende hin immer heller und biegt sich anmutig leicht nach rechts. Im Ruhezustand wirken sie alle gleich kĂŒmmerlich und rĂŒhren einer liebenden Frau das Herz. Bis auf ... den „Fleischschwanz“, von dem ich nicht weiß, ob das ein medizinischer Fachausdruck ist, und den ich nur vom Hörensagen kenne. Der soll schon im off einen Umfang haben, den er im on nicht mehr wesentlich vergrĂ¶ĂŸern kann. Das immer wieder spannende Schauspiel des Wachsens fĂ€llt hier leider kĂŒrzer aus, dafĂŒr spart er sich im Alltag die Hasenpfote in der Unterhose.

Ich dachte immer, MĂ€nner auf Herrentoiletten wĂŒrden einander auf das primĂ€re Geschlechtsmerkmal schielen, um Seitenblickvergleiche anzustellen. Es soll wohl so sein: Mann demonstriert Desinteresse, packe seinen nicht von unten an, was eigentlich bequemer sei, sondern greife von oben zu, so dass das Wesentliche von der Hand vornehme verdeckt sei. „Nur Schwule“, meint ein Zeuge, „machen es anders.“ Achten Sie mal drauf, meine Damen, hin und wieder hat man ja eine Gelegenheit, zum Beispiel bei jenen, die mitten in der Stadt an einem Straßenbaum... ! Also nein, darĂŒber breiten wir besser einen großen, dunklen Mantel.

Jedenfalls kann ich versichern, dass es fĂŒr MĂ€nner einen besonderen Reiz hat, etwas Aufrechtes zu benetzen, und wenn es eine Hausecke ist. Ein feinsinniger Musikfreund erzĂ€hlte mir gar, dass er vor einer Baumgruppe stand, auch noch an einem Hang, und wĂ€hrend er im hohen Bogen – nun ja ... pinkelte, kam der mittlere Stamm im feuchten Untergrund ins Rutschen und krachte dann auf den Hang herunter. Als er mir das berichtete, war das Ereignis schon zehn Jahre her, beschĂ€ftigte ihn aber noch.

So gesehen muss man subsumieren, dass der Mann von dem, was da im Schnitt 16 Zentimeter weit von ihm wegragt, dirigiert wird. Ob er daran so unschuldig ist, wie er behauptet, wage ich nach dem Stand der Forschung ĂŒber das Unbewusste zu bezweifeln, denn die Wissenschaft hat herausgefunden, dass sich ein Arm nur in Bewegung setzt, wenn er vom Gehirn einen Befehl dazu erhalten hat. Der Kopf merkt das erst etwas spĂ€ter, lĂ€sst sich dann aber eine wunderbare ErklĂ€rung fĂŒr diese Bewegung einfallen, an die er selbst fest glaubt. Lassen wir es dabei.

 

 

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