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Meditation in ThailandAlle gehen ins Kloster. Ich haue ab.

Im Tod sind wir dann alle wieder faltenfreiWas kostet Schönheit?

Über die ersten Tage eines Führungskompetenz-LehrgangesFrauen in die Verantwortung

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Renate Otte, 56,  guckt sich im Osten nach den Frauen um.Hausfrau übernimmt Ost-Betrieb

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Eine hochbegabte Krankenschwester erfüllt sich einen WunschAschenputtel und der Prince of Egypt

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Über den Verlust eines weiblichen AttributesIch kann bohren

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Alle Bilder (außer Bohrmaschine und Schrottplatz) und alle Texte: copyright Gabriele Bärtels 2006

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Alle gehen ins Kloster. Ich haue ab.

Geschichte einer Niederlage

 

Thailand. Da schließt der Nordeuropäer die Augen, sieht blaues Meerwasser über feinen Sand schäumen, riecht Currymischungen, Durianfrüchte, Fische auf bunten Märkten und betritt barfüßig goldene Tempel.

Ich nicht. Ich gehe in ein buddhistisches Kloster. Nach Wat Suan Mokh in der Nähe der Provinzhauptstadt Surat Thani, dort, wo die Reisenden auf die Fähre nach der Südseeinsel Ko Samui umsteigen. Ich nicht. Ich bleibe sitzen. Werde zehn Tage lang auf dem harten Boden schlafen, um vier Uhr früh aufstehen, schweigen, fasten, jeden Augenkontakt vermeiden, meditieren. Schon lange frage ich mich, ob eine komfortverwöhnte, kettenrauchende Großstädterin das aushalten kann.

Das Pauschaltouristenpärchen, dem ich im Flugzeug davon erzähle, schaut mich zweifelnd an. Sie teilen sich schon den dritten Pikkolo und wollen nach Phuket. Badeurlaub.

Flughafen Surat Thani am nächsten Morgen. Bis zum Kloster Suan Mokh sind es mit dem Taxi dreißig Minuten. Thailand rutscht an mir vorbei. Häuser und Hütten auf Stelzen. Die Erde ist rot.

Mein Rucksack und ich stehen auf der Landstraße. Ein Mönch, in orangebraune Stoffbahnen gehüllt, kommt mir entgegen und lächelt mich an. Er weist mir den Weg zur Information, deutet auf eine Liste, in die ich meinen Namen schreiben soll und auf ein Schild. Dort steht auf Englisch, dass vier Mal am Tag ein Lastwagen die Wartenden abholen und zum International Retreat bringen wird.

Ich trage mich in die Liste ein. Nummer 103. Unter schattigen Bäumen, auf schiefen Steinbänken sitzen drei Europäer, die Füße auf ihren Rucksäcken. Sie schweigen. Es ist heiß. Grillen zirpen. Nach und nach versammeln sich etwa dreißig Leute. Augenblicke treffen und verlieren sich wieder.

Mit quietschenden Reifen hält ein rostiger Lastwagen. Auf die offene Ladefläche werfen wir unser Gepäck, hocken wie Hühner auf der Umrandung, klammern uns an die Seitenwände, als der Wagen rumpelnd einen zwischen Sümpfen und Palmen entlangführenden Weg ins Land hineinfährt.

Fluchtgedanken ergreifen mich, aber wie soll ich hier flüchten? Zu Fuß? Bei 32 Grad im Schatten mit 15 kg Gepäck auf der Schulter. Ich lächele aufmunternd eine Frau an, die sich kaum halten kann, als der Wagen durch ein Schlagloch fährt. Sie guckt auf ihre Füße. Warum lacht hier keiner? Haben die mit dem Schweigen schon angefangen?

Da ist das Tor. International Retreat Suan Mokh.

Wo sind die Zigaretten? Eine letzte noch.

Der Lastwagen hält vor einer weitläufigen Anlage, viel Rasen aus dickem, sehr grünen Gras. Dazwischen überdachte, nach allen Seiten offene Hallen mit spiegelnd glatten Steinböden. Palmenhaine, ein kleiner Fluss. Dahinter Berge, urwaldüberwuchert. Ein junger Mann reicht meinen Rucksack herunter.

Vor der Dining-Hall ziehen wir die Schuhe aus. Swantje ist unsere Ansprechpartnerin, eine Deutsche, die seit einigen Monaten hier arbeitet, ohne Gehalt, nur für Essen und Unterkunft.

„Lasst alles draußen“, sagt sie. „Kommt zur Ruhe.“

Ich gebe Handy, Fotoapparat, Walkman, Pass, Ticket ab und fülle einen Fragebogen aus. Ja, ich habe schon etwas Meditionserfahrung. Ja, ich bin damit einverstanden, die Regeln zu befolgen. Ja, ich werde mich an Reinigungsaufgaben beteiligen. Eine lächelnde Thailänderin überreicht mir einen Schlüssel, meine Zelle hat die Nummer 150. Sie zeigt mir den Weg zum Frauenhaus.

Verschlossene Männer, ungeschminkte Frauen zwischen zwanzig und vierzig, manche sehen aus wie aus wie Blumenkinder, andere tragen Dreadlocks, einige sind sehr gepflegt, esoterische Dauergrinser, Holzperlenketten, weite Hosen und Hemden. Alle schwitzen. Noch immer habe ich mit niemandem geredet, weiß nicht, wer welche Sprache spricht, warum die anderen hier sind, was sie hier suchen, ob sie auch soviel Angst haben wie ich.

Das Frauenhaus ist eine einstöckige Burg im Quadrat. Innen zieht sich ein überdachter Gang herum, von dem etwa sechzig Zellen abgehen. In der Mitte grüner Rasen. Meine Zelle hat eine Holztür und ein vergittertes Fenster, sie ist sechs Quadratmeter groß, die Wände, der Fußboden nackter Beton, ein Bett aus Stein, eine Wäscheleine. Ich erhalte eine Matte und ein Moskitonetz, hänge drei Kleider über die Leine, breite einen Bettbezug auf der harten Matte aus, stelle eine Seifenschachtel auf den Boden, das Shampoo daneben. Gemütlicher kann ich es nicht machen.

Das Retreat liegt mitten im Wald, der Innenhof hält alle Geräusche ab, die Sonne scheint. Es ist still und grün und warm.

Draußen hängt eine Frau ihre Matte über die Wäscheleine. „Die stinkt“, sagt sie zu mir und ich bin froh. Eine Deutsche. Sie heißt Alexandra, ist seit sechs Wochen in Thailand unterwegs, wird sich nach dem Retreat mit ihrem Freund in Krabi an der Westküste treffen. Ein Gespräch. Ich habe ein Gespräch!

Duschen gibt es hier nicht. An den vier Ecken des Ganges stehen große Zisternen, daneben Plastikschüsseln. Darin werde ich Wäsche waschen, damit werde ich mir die Haare spülen, die Zähne putzen.

Überall hängen Frauen Tücher auf die Leinen, fegen ihre Zellen aus. Ob es bei den Männern auch so aussieht?

Zigarette! funkt mein Gehirn. Ich schiebe den Gedanken weg und wandere zurück zur Dining-Hall, an den Füßen Sandalen, alles andere ist nicht praktisch. Jeder Raum wird barfuß betreten.

Swantje begrüßt alle Anwesenden mit sanfter Stimme und stellt den Stundenplan der kommenden Tage vor:

 4.00 Uhr - aufstehen

 4.30 Uhr - Lesung

 4.45 Uhr - Sitzmeditation

 5.30 Uhr - Yoga, Tai Chi

 7.00 Uhr - Sitzmeditation

 8.00 Uhr - Frühstück

10.00 Uhr - Dhamma-Vortrag

11.00 Uhr - Gehmeditation

11.30 Uhr - Sitzmeditation

12.00 Uhr - Gehmeditation

12.30 Uhr - Mittagessen

14.30 Uhr - Anleitungen zur Meditation

15.00 Uhr - Sitzmeditation

15.30 Uhr - Gehmeditation

16.00 Uhr - Sitzmeditation

16.30 Uhr - Gehmeditation

17.00 Uhr - Chanting (Singen)

18.00 Uhr - Tee

19.30 Uhr - Abendvortrag

20.00 Uhr - Gehmeditation in Gruppen

20.30 Uhr - Sitzmeditation

21.00 Uhr - Schlafenszeit

Werde ich das durchhalten? Wird mein Gegenüber das durchhalten? Was soll das überhaupt? Eine tödliche Müdigkeit überfällt mich. Kein Wunder. Die letzte Nacht war schlaflos.

Um sechs Uhr abends sinkt Dunkelheit vom Himmel. Ein riesiger Topf mit Tee steht auf dem Tisch, daneben liegen daumendicke Bananen. Ich bediene mich, gehe schweigend in meine Zelle. Es ist erst sieben.

Ich bin unglücklich, wie ich da so liege auf dem harten Bett unter dem Moskitonetz. Die nackte Glühbirne zieht nur die Mücken an, also mache ich das Licht aus. Müde genug, um mir keine weiteren Gedanken zu machen, schlafe ich ein.

Ein schwerer Glockenton dringt in meine Träume. Er schwingt nach. Wird lauter. Ich kann ihn nicht länger ignorieren, schlage die Augen auf. Es ist Morgen, mitten in der tiefen Nacht. Vier Uhr früh.

Ich bin im Kloster, muss aufstehen, Zähneputzen, waschen, trete vor die Tür. Ein tintenschwarzer Himmel mit tausend und einem Stern. Frösche quaken. Nackte Frauenfüße schleichen zur Zisterne. Wasser plätschert.

Weibliche Gestalten wandern durch die Nacht zur Meditationshalle. Sie sind in weite Gewänder gehüllt, in Schlaf und in Schweigen. Männer schließen sich uns an. Sandalen schlurfen über Schotter.

Wir versammeln uns in der riesigen Halle, teilen uns wieder auf. Kissen werden auf den glatten Boden gelegt, rechts sitzen die Frauen, links die Männer. Ein paar Kerzen flackern. Jemand liest mit leiser Stimme einen englischen Text vor. Ich höre kaum hin.

Meditation. Der Rücken gerade, das Kinn leicht gesenkt, die rechte Hand liegt in der linken, die Beine sind gekreuzt. Atmen. Schweigend atmen. Ein und aus. Mein Bauch hebt und senkt sich. Ein leichter Wind weht durch die offene Halle, vor mir lauter gerade Rücken. Manche ändern wieder und wieder ihre Haltung, andere husten.

In diese Konzentration klingt ein kleines Glöckchen. Durch die Mitte schreitet barfuß ein hagerer, großer, glatzköpfiger Mönch. Seine Haut ist so faltig wie die braunen Stoffbahnen, mit denen er sich umhüllt hat, er trägt eine dicke Brille. Mit gekreuzten Beinen lässt er sich vor uns nieder, Swantje rutscht auf den Knien vor ihm und richtet ein Mikrophon zurecht. Es gefällt mir nicht, dass sie das tut.

Das ist Apang Pho, der Abt des Klosters. Er räuspert sich. „Good Morning, friends“, sagt er. Sein Englisch klingt so fremd, dass ich nur Bruchstücke verstehe. Der Buddhismus lehre nicht, sich ausschließlich mit sich selbst zu beschäftigen, wie manche Kritiker ihm vorwerfen, sagt er. In der Meditation soll man alle Ich- und Mein-Gedanken fallen lassen. Ihr seid nicht, was Ihr denkt, ein Gedanke ist nur eine Erscheinung. Man kann lernen, sitzenzubleiben und das Kommen und Gehen der Gedanken zu beobachten, ohne einzugreifen.

 â€žMan muss es üben“, sagt der Abt. Es klingt leichter als es ist. Wir sollen nicht glauben, wir würden etwas Bedeutendes erreichen in diesen zehn Tagen. Wir sollen gar nichts erwarten. „Just practise.“

Für die Frauen findet das Yoga anschließend in der Meditationshalle am See statt. Es ist noch immer Nacht. Hier quaken die Frösche noch lauter, eine Neonröhre wirft fahles Licht auf uns, Mücken werden davon angezogen. Eine Amerikanerin erklärt die Übungen und wir folgen ihr, sprachlos, mehr oder weniger gelenkig. Neben mir auf dem Boden kriecht eine schwarze Spinne. Es wird langsam hell. Draußen auf dem Rasen praktiziert eine Frau Tai Chi. Eine Zeitlupentänzerin. Wunderschön anzusehen.

Sieben Uhr. Wir wandern zurück in die große Halle. Es ist wie eine Prozession. Noch eine Stunde meditieren. Mein Magen knurrt. Ich habe große Schwierigkeiten, mich auf den Atem zu konzentrieren. Wann wird es acht und was wird es zum Frühstück geben?

Das ist zuviel: Ich kann morgens keinen Gemüsereis essen und schon gar nicht aus einem Blechnapf. Zuhause hätte ich jetzt ein Croissant mit Marmelade. Gibt es nicht. Punkt.

Wir sitzen uns an langen Tischen gegenüber und warten, bis auch der Letzte etwas hat. Widerwillig schiebe ich mir einen Löffel nach dem anderen in den Mund. Gesund ist das bestimmt.

Schräg gegenüber sitzt Alexandra. Ihr Gesicht ist ernst. Fast böse. Sehe ich genauso aus? Ich habe keinen Spiegel mitgenommen.

Dieses Schweigen. Es zerrt an meinen Nerven. Habe ich ein unsichtbares Pflaster auf dem Mund? Es wäre so einfach, etwas zu sagen. Aber man hört nur die Löffel in den Schalen, Stühlescharren, Räuspern. Es könnte sehr friedlich sein.

Zwei Stunden Pause. Zeit für Gemeinschaftsarbeit. Ich fege den Gang des Frauenhauses und bemühe mich, die Arbeit mit aller Achtsamkeit und Konzentration auszuführen, erwische mich aber dabei, wie ich mit dem Reisigbesen achtlos um die Ecken fahre.

Alle Frauen waschen erst die Wäsche und danach sich. Niemand darf hier nackt herumlaufen, also tragen wir mindestens einen Sarong und übergießen uns mit kaltem Wasser. Dieser ganz und gar weibliche Raum hat eine eigene Schönheit.

Ich befinde mich nicht wohl, tatsächlich befinde ich mich überhaupt nicht wohl, würde so gern einen Augenblick der Zweisamkeit mit jemandem teilen, aber auch Alexandra dreht mir den Rücken zu.

Die nächste Stunde Meditation ist Schmerz. Er sitzt im Rücken, Beinen, allen Nervenenden. Ein- und Ausatmen. Die Gedanken davonziehen lassen wie ein Herbstblatt auf dem Wasser. Die Gier ist ein kleines Tier mit einem weit aufgerissenen Maul. Sie sitzt in meiner Mitte und schreit mit einem hohen Ton - für alle anderen nicht hörbar, für mich ohrenbetäubend. Wenn ich ihr das Maul doch stopfen könnte, mit einer Zigarette, einem Kaffee, einem Kuchen, einem Kuss. Die Stunde endet nicht. Sie endet nie. Ich werde hier sitzenbleiben mit dem Schmerz und der Gier und schwitzen, weil die Luft feucht ist, werde mich dreckig fühlen und auch ohne Spiegel wissen, dass ich wie eine böse Hexe aussehe.

Durchhalten. Das ist nur eine Krise. Ich wusste doch, dass es Krisen gibt. Man muss sie aussitzen.

Das Glöckchen, das das Ende ankündigt, klingt wie ein Bonbon. Ich öffne die Augen. Ein Vogel mit einem roten Hals stolziert durch das Gras. Ein Gecko läuft die Wand hoch. Ich bin in Thailand. Ich sollte es genießen.

Während der Gehmeditation laufen mir Tränen herunter, tropfen auf mein T-Shirt. Hasserfüllte Seitenblicke werfe ich auf die anderen. Sie staken wie Störche in Zeitlupe, ganz konzentriert im Hier und Jetzt. Jede Gewichtsverlagerung, das Auftreffen des Fußes auf den Boden, soll mit voller Achtsamkeit geschehen. Ich kann ein Kichern kaum unterdrücken.

Zur Teezeit nehme ich mir heimlich zwei von den kleinen Bananen. Sie werden wohl nicht abgezählt sein. Es ist die letzte Mahlzeit des Tages.

Fernsehen kann ich nicht, Musik hören auch nicht, nicht lesen, keinen Wein trinken, nichts kaufen und keinen Sport machen. Also wickele ich mich in meinen Sarong und steige in den Fluss, der eine heiße Quelle ist. Andere Frauen sind schon da, tauchen vorsichtig in das dampfende Wasser. Es ist so heiß, dass es kaum auszuhalten ist, ein sonderbares Gefühl in diesem Klima, meine Glieder werden schwer.

Am Abend spricht ein englischer Mönch. Sein Name ist Keith. Wir werden Fehler machen, sagt er. Aber wir sollen nicht aufgeben. Das Leiden bleibt nicht in alle Ewigkeit. Genauso wenig wie das Glück. Alles vergeht und entsteht und vergeht.

Um neun wird das Frauenhaus abgeschlossen. Ich hocke auf der Schwelle meiner Zelle, stelle Seifenschachtel, Shampoo und Zahnpasta in Reih und Glied.

Und plötzlich schlägt Angst über mir zusammen wie eine Flamme. Ich kann das nicht. Ich weiß es ganz genau. Ich möchte etwas in die Hand nehmen, bewegen, anschieben, tanzen, lachen. Ich will nach Hause in meine geordnete Welt, zehntausend Kilometer bis dahin, aber irgendwie werde ich es schon schaffen. Mein Herz trommelt, hinter meinem geschlossenen Mund stauen sich die Worte. Es ist doch nichts. Kein Überfall, kein Flugzeugabsturz, kein Erdbeben. Das Tier ist innen.

Die Frauen machen sich zur Nacht zurecht und allen scheint es besser zu gehen als mir. Ich schlafe in einem Taumel unsortierter Gedanken.

Als die dunkle Glocke um vier Uhr früh die Nacht erhellt, stehe ich mechanisch auf. Ich bleibe hier, schwöre ich mir und gleichzeitig weiß ich, dass ich nur auf die Frühstückspause warte, um Swantje zu sagen, dass ich gehe. Auf dem Weg zur Dining-Hall begegnet mir der Abt. Ich schlage die Augen nieder und gehe grußlos an ihm vorbei. Fühle mich wie ein Verbrecher.

Swantje steht allein an einem Tresen, ich trete zu ihr und breche das Schweigen. „Ich gehe“, sage ich und erschrecke vor meinem eigenen Ton.

Swantje spricht leise und sanft. „Schade,“ sagt sie, „Du hättest die Chance, ein paar alte Ängste hier in diesem Kloster zu lassen.“

Zurück im Frauenhaus packe ich meine Sachen. Langsam. Aufmerksam. Bringe meine Matte zurück, lasse das Moskitonetz hängen, suche nicht nach Augenkontakt, begegne einer kleinen Japanerin, die erst auf meinen Rucksack schaut und dann auf mich. Sie lächelt, fast hätte sie mich berührt.

Mit einem Pickup bringt Swantje uns zur Straße. Mich, eine andere Frau und zwei Männer. Wir könnten reden, aber das tun wir nicht. Swantje schenkt jedem von uns zum Abschied ein Bonbon.

Der Bus kommt. Er bringt mich mit siebzig Stundenkilometern fort vom Kloster. Eines Tages werde ich doch eintreten müssen. Das machen schließlich alle. Aber nicht jetzt, nicht heute.

Erst einmal nehme ich die Fähre nach Ko Samui und lege mich neben alle anderen Touristen in den warmen Sand. nach oben

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