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Korb mit Blumen

Mit einem Neuling in der Kontaktanzeigenwelt muss man sorgsam umgehen

von Eva Blatter

 

 

partnersucheWer Kontaktanzeigen aufgibt oder beantwortet, kommt bald in die Verlegenheit, einem Bewerber eine Absage erteilen zu müssen. Wer sich schon länger in diesem Metier bewegt, hat darin Übung.

Weil wir es hier mit Herzensdingen und nicht mit einem Stellenangebot zu tun haben, ist es allerdings manchmal mit einem kurzen, netten Brief nicht getan, besonders dann nicht, wenn das Gegenüber – in diesem Fall ein Mann Mitte fünfzig – ein Neuling ist und sich heftig verliebt hat. Kommt hinzu, dass er sich als ganz reizender Mann entpuppt, an dem es weder persönlich noch beruflich noch äußerlich irgendetwas auszusetzen gibt, kann es geschehen, dass man in Schwierigkeiten gerät, denn seine erste Kontaktanzeigen-Erfahrung soll doch nicht so schmerzhaft enden, dass er den Versuch, auf diese Weise eine Lebensgefährtin zu finden, kein zweites Mal wagt.

partnersucheChristoph und ich hatten uns bereits schriftlich ehrliche Dinge aus unserem Leben erzählt, und das Foto, das er mir geschickt hatte, zeigte ein offenes Gesicht und harmonische Züge. Als seine E-Mails schon euphorischer wurden, bevor wir uns gesehen hatten, dämpfte ich ihn vorsichtshalber. „Schreib nichts, was Du bereust, wenn Du meiner ansichtig wirst.“

Um zwanzig Uhr waren wir in einem Restaurant verabredet. Christoph wartete schon auf mich. Ich mochte ihn auf den ersten Blick. Er war schon verliebt, gab sich alle Mühe, seine Bewegung zu verbergen, aber ich sah sie in seinen Händen, seinen Augen, seiner herzlichen Aufmerksamkeit. Dagegen wusste ich sofort, dass er nicht meiner war.

Er erzählte mir, dass er verheiratet gewesen war und wäre es noch immer, wenn seine Frau ihn nicht verlassen hätte. Er sei ihr immer treu gewesen. Ich hatte daran keine Zweifel, als ich ihm ins Gesicht blickte. Dann erfuhr ich, dass ich seine erste Kontaktanzeigen-Begegnung war, und das darauffolgende Schweigen verriet, dass es auch die letzte sein sollte. Er hatte sich seit einem Vierteljahrhundert nicht auf Freiersfüße begeben und strahlte mich schutzlos an.

partnersucheNatürlich habe ich mir schon selbst Absagen eingehandelt – von freundlich über rüde bis zum kalten Schweigen war alles dabei. Es gehört zum Geschäft, damit fertig zu werden, aber Christoph hatte davon keine Ahnung. Ich dachte: Du musst es ihm gleich erzählen, sonst tut er sich weh. Doch schon jetzt war mir klar, dass ich diesen Korb mit sehr vielen Blumen füllen musste. Ich nahm seine Hand und sagte es ihm. Er rang um Fassung.

Es wäre mir lieber gewesen, mich in Christoph so zu vergucken, wie er sich in mich. Zwei Singles wären mit einem Schlag von der Straße gewesen, denn war ein aufrichtiger, sensibler, beruflich leidenschaftlicher Mann, der mir sogar die Höhe seines Gehaltes verriet. Auch sonst kam er mir in jeder Hinsicht vertrauensvoll entgegen – genauso, wie ich es mir gewünscht hätte, nur eben nicht von ihm. Wir unterhielten uns noch lange. „Freunde“, sagte Christoph, „das können wir doch bleiben“. Zum Abschied versuchte er, mich auf den Mund zu küssen. Ich wünschte ihm für seine Partnersuche viel Glück.

Am nächsten Tag schickte er mir eine E-Card, auf dessen Rückseite stand, dass er an mich dachte. Ich mochte E-Cards nicht. Vielleicht hätte ich es ihm gleich sagen sollen. „Wir können ja mal spaziergehen“, schlug er vor und seine Stimme am Telefon klang so verletzlich wie der Blick seiner Augen es war. Ich begann zu ahnen, dass er so schnell nicht von seiner Wolke herunterkommen würde. Er hoffte, ich brauche nur Zeit. Ich nahm mir vor, ihm noch einmal sanft, aber deutlich darauf zu verweisen, dass ich mich schon längst wieder auf der Suche befand, und ihn mit ein paar Tipps für seine Kontaktanzeigen-Zukunft auszustatten.

partnersucheAls wir uns Sonntags im Grünen trafen, nahm er mir sofort meine Tasche ab, gab mir das Gefühl, mich ganz und gar auf ihn verlassen zu können, hätte das Gestrüpp aus dem Wald geräumt, damit ich unversehrt durchgekommen wäre, ludt mich zum Kaffee ein, wollte meine Hand nehmen, sagte: „Nur Freunde“, doch der Wunsch nach mehr stand quer über sein Gesicht geschrieben. Er war keiner von denen, die sich nicht entschließen konnten, würde nicht von einer Kurzbeziehung zur anderen wandern, wäre ein treuer, lebenslanger Halt. So sehr ich mich danach sehnte – ich sehnte mich nicht nach Christoph. Er glaubte mir nicht.

In den folgenden zwei Wochen schickte er mir mehrfach E-Cards, schrieb nichts Zudringliches dabei, bat um gar nichts, doch zwischen den Zeilen sah ich sein Herz pochen. Ich antwortete ihm mit schönen Grüßen und der Geschichte einer vergangenen Liebe, an der ich noch immer hing. Er antwortete, er wisse, dass ich einen ganz anderen Mann brauche, habe die kalte Dusche aber wohl nötig gehabt. „Nur Freunde“, beteuerte er.

Gern würde ich ihm eine Frau stricken, die ihm alles geben kann, das er sich von mir erhofft. Niemanden macht es glücklich, die Liebe allein zu schultern. Das schrieb ich ihm, und dachte, wenn er jetzt nicht begreift, muss ich zu härteren Mitteln greifen, partnersucheauch wenn es ihn schmerzt und mir Schuldgefühle verursacht. Ob daraus Freundschaft entsteht?

Mein letzter Versuch, ihm schonend beizubringen, dass dieser Weg nicht weiterführt, war das Schreiben dieser Geschichte. Noch während ich mit dem Ende rang, kam eine Mail von Christoph: Er habe demnächst ein Date mit einer anderen Frau und wünsche mir alles Gute. Und so wird aus dem Ende eine Referenz: Meine Dame, dieser Herr ist einer von den Guten, nehmen Sie ihn, er wird sich nie wieder nach einer anderen umgucken.

 

 

Eva Blatter ist das Pseudonym einer 43-jährigen Politik-Journalistin aus Bern, die im Internet nach einem neuen Partner sucht.

 

 

 

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