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Oscar Wilde und ”The Woman´s World”
Der britische Schriftsteller war Herausgeber eines Frauenmagazins
von Gabriele Bärtels
Im Jahre 1887 erschien in London die erste Ausgabe von “The Woman´s World”. Zuvor hatte das Frauenmagazin “The Lady´s World” geheißen und die klassischen Ressorts: Mode, Rezepte, Wohnungseinrichtung behandelt, sich aber schlecht verkauft.
Deshalb bat der Verleger Thomas Wemyss Reid Oscar Wilde darum, einen - zu neudeutsch - Relaunch vorzunehmen. Dieser arbeitete neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch als freier Journalist und befand sich damals auf der Höhe seines Erfolges.
Der neu berufene Herausgeber befand das alte Konzept der Zeitschrift als zu: “feminin, und auch wieder nicht weiblich genug”. Weiter habe sie einen “Stich ins Vulgäre und verfehle ihr Ziel, eine Zeitschrift für die Frau von Verstand, Kultur und gesellschaftlicher Stellung zu sein”.
Statt ein Modebild neben das andere zu setzen, wollte er mehr Textbeiträge bringen, die sich mit der weiblichen Innenwelt befassten und von prominenten Damen geschrieben worden waren. Er selbst verfasste literarische Notizen zu neu erschienenen Büchern. Äußerlich wandelte sich das Heft von grün in rosa, das Titelbild war von Jugendstilweinreben umkränzt.
Bis 1889 blieb Oscar Wilde Herausgeber der “Woman´s World”, und betrat drei Mal pro Woche gegen 11 Uhr vormittags die Redaktionsräume, schrieb Briefe an Autorinnen und schlug sich mit irdischen Problemen herum: “... leider habe ich in der Honorarfrage nicht so freie Hand, wie ich möchte”, und ärgerte sich, dass er im Büro nicht rauchen durfte.
Es war seine einzige feste Stelle im Leben - und er genoss als Nebenwirkung den Umgang mit Damen aus bester aristokratischer Gesellschaft. “Ich möchte auch nach Paris und Madame Adam überreden, dass sie alle zwei Monate einen Artikel beisteuert. Ich halte es für unbedingt notwendig, mit den Autorinnen persönlich zu sprechen.” Sogar an Königin Viktoria wandte er sich mit der Bitte, ein Gedicht für das Heft zu verfassen. (Sie schlug das Ansinnen ab.)
Trotz des Erfolgs wurde Oscar Wilde der alltäglichen, kleinteiligen Redaktionsarbeit nach anderthalb Jahren müde, schrieb selbst immer weniger, kümmerte sich kaum noch um die Autorinnen, so dass die Auflage sank und sich Leserbeschwerde-Briefe häuften. Man kündigte ihm, und wenige Monate später ging “Woman´s World” ein.

Quelle: “Oscar Wilde. Eine Biographie” von Barbara Belford. Diogenes Verlag 2004
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