Mein Mann ist jetzt berühmt. Die Zeitung hat ihn porträtiert. Und das Fernsehen hat auch Interesse. „Allein zuhaus mit DREI Kindern – Die unglaubliche Geschichte des Joachim R.“ Und das alles nur, weil niemand in dieser Republik auf Dieter Hundt hört.

Als ich mit unserem dritten Kind schwanger war, kam das letzte große Aufbäumen der damaligen Familienministerin Renate Schmidt. Unser Land sei schon viel familienfreundlicher geworden, und es werde alles immer noch besser. Das wollte sie plötzlich jede Woche einmal auf einer Pressekonferenz sagen, und einmal eben auch mit Herrn Hundt. Im Überschwang der Frau Schmidt ließ sich der Arbeitgeberpräsident dazu hinreißen zu sagen, jaja, Karriere und Familie müssen besser vereinbar werden, und die Unternehmen haben das erkannt, und flexibel muss das sein, und warum nicht auch mal die Väter. Aber irgendwie glaubt niemand dran, und nun ist mein Mann ein Ausstellungsstück.

Seit fünf Jahren ist er hauptamtlich Papa, wie er das sagen würde. Das kam so: Als DINKS (Double Income No Kids) schufteten wir vorher beide, bis wir ächzten, aber er immer noch ein bisschen mehr. Schlief er Samstag abends – wenn der Job endlich mal Pause machte - beim Essen mit Freunden am Tisch ein, reagierte ich, sagen wir mal, gereizt. Ich maulte so lange, bis er sagte: “Naja, jetzt kriegst du erstmal ein Kind und dann sehen wir weiter.” Ein Alptraum. Ich sah mich als alleinerziehende Mutter zu Hause, voller Sehnsucht nach der Welt, während mein Mann sich immer schneller im goldenen Karriere-Käfig dreht. “Keine Chance”, sagte ich. Darauf er: “Na gut, dann machen wir es umgekehrt.” So kam das.

Ich weiß noch, als ich nach der Geburt meines ersten Sohnes abends mit meiner besten Freundin ausging, sagte ich leise zu ihr im Treppenhaus, naja, da bin ich ja mal gespannt. Joachim bringt den Kleinen nämlich nie ins Bett, mal gucken, ob das Baby schläft, wenn wir wiederkommen. Es nahm solche Formen an mit meinem Mami-Unentbehrlichkeitswahn, dass mir Joachim vorschlug, in der ganzen Wohnung Webcams zu installieren, damit ich die beiden vom Büro aus überwachen könnte.

Seitdem bin ich lockerer geworden, ehrlich.

Beim ersten Kind führte Joachim noch so eine Art Logbuch, wann er dem Kleinen die Flasche gegeben hatte und wieviel Brei er zu sich nahm und wieviel Minuten er geschlafen hatte. Er tat so, als wäre das für mich. Aber tatsächlich konnte er sich nicht merken, wann das Baby eigentlich schlafen oder essen wollte. Ich fand das absurd, denn sowas merkt man sich doch als Mami. Aber ich muss zugeben, dass beide überlebt haben. Und zwar ziemlich gut. Nun stehen schon drei kleine zarte Wesen in der Blüte ihres Seins. Ein Wunder, ganz ohne mütterliche Überwachung.

Neulich rief abends ein Marktforschungsinstitut bei mir an, vermutlich um zu erfragen, welche Art größerer Anschaffungen ich plane oder ob ich FDP wähle. Soweit kamen wir nicht. Jetzt, sagte ich mit nicht sehr großem Bedauern, geht es leider gar nicht, denn ich bringe mein Kind ins Bett. Na, vielleicht wäre es besser Vormittags? Da arbeite ich. Oder nachmittags? Da arbeite ich auch. Und abends? Bringe ich die Kinder ins Bett. Das war nicht gelogen. Natürlich könnte ich zwischendurch mal für fünf Minuten ein paar dusselige Fragen beantworten. Aber ich will nicht. Die Zeit morgens und abends ist zu kurz. Sie soll nicht durch Unnötiges beschnitten werden.

Bei Joachim ist es umgekehrt. Zeit mit den Kindern hat er im Überfluss. Wenn er sich nicht mal für fünf oder fünfzehn Minuten losreißt, kommt er zu gar nichts. Ich kann nicht fassen, dass er telefonieren kann, während zwei Kinder in der Wohnung Wettlaufen spielen und das dritte einen Katalog auffrisst. Ich bin sicher, er sehnt abends die Ablösung herbei, um einmal einen Gedanken bis zu seinem Ende zu denken.

Ich sehne mich nach Feierabend nach meinen Kindern. Trotzdem phantasiere ich manchmal, ich würde zehn Minuten vor der Wohnungstür auf der Treppe sitzen und ganz allein auf dem MP3-Player Bachs Cello-Suiten anhören, dann frohgemut die Tür aufschließen und alle mit prächtiger Laune überraschen. Aber eine ideale Welt wäre einfach zu perfekt. Außerdem werde ich dringend gebraucht zur Rettung des Katalogs.

Mein Mann ist ein Held, er ist zu Recht berühmt. Ich weiß das. Ein wenig Glanz strahlt übrigens auch auf mich ab. Drei Kinder und voll berufstätig? Wie geht das denn? fragt man mich. Ich habe einen Hausmann zuhause, sage ich dann. Und darauf die Bewunderer: Mensch, das ist aber ungewöhnlich, das machen nicht viele. Und ich darf ein klein wenig stolz auf mich sein, ein solch exotisches Exemplar aufgetrieben zu haben. 

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Mutterglück

Die Autorin hat 3 kleine Kinder, einen Vollzeitberuf und einen Hausmann. Der wird jetzt berühmt, weil er so selten ist.

von Verena Schmitt-Roschmann

Bettwäsche-Deko
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