Es war letzten Dienstagabend, glaube ich, als ich auf der Website IchsucheLiebe, oder wie immer sie auch hieß, die Fotos der Damen durchblätterte, die sich dort registriert hatten. Ich machte eine erstaunliche Entdeckung.

Mehr als einmal, ich schwöre, fand ich dies: Erstes Bild, lässig am Gartenzaun. Zweites Bild, leicht aufgeknöpft auf dem breiten Ledersofa in bürgerlicher Stube. Drittes Bild, von hinten, der String guckt aus den Jeans. Viertes Bild und das letztmögliche, das in das Profil geladen werden darf, na was, vielleicht nun von vorn, oben oder unten ohne? Nein, No, Noi, Njet: Auf dem letzten Bild guckt dich eine Katze an, Geschlecht tut nichts zur Sache: eine Hauskatze eben, schmusig, treu, schwarzweißes Fell oder mal in braun.

untenWas wollen die Damen uns damit sagen?, frage ich. Würde ich gerne, aber da ich nur ein Neugieriger und kein zahlendes Mitglied der IchsucheLiebe-Gemeinde bin, kann ich die Katzenfrauen nicht anmailen. Leider, denn ich würde sie fragen wollen: Warum zeigst Du mir nicht Deine richtige Muschi, auf die bin ich doch spitz, nicht auf Deinen whiskasfressenden Haustiger.

So, jetzt habe ich die Kurve zum Thema. Nun kann ich endlich über die Muschi schreiben. Aus der Sicht des Mannes. So lautete nämlich der Auftrag von FRIDA. Und schon ist wieder und hiermit bewiesen, wie sich Mann diesem interessanten Thema nähert: Umständlich, auf Umwegen, rumstotternd, verschämt, so, als ob er sich einem Minenfeld nähert und dies mit geblendeten Augen.

Wagen wir also den Sprung von der Muschi zur Votze. Oder zur Vagina, Spalte, oder was denn noch? Möse ? (Schrecklich). Es verschlägt dem Manne die Sprache. Er besitzt seinen Schwanz, Dödl, Speer, seine Lanze, meinetwegen Penis, seinen Sack, ne Rute, und und und. Aber warum ist das, was der wunderbare schwäbische Dichter Thadäus Troll g’schamig nur den Ort „wo dia kloine Kinderle her kommat“ nannte, so arm an treffenden, unmissverständlichen, überdeutlichen, unanständigen Titeln?

unten3Es mag, so fällt mir gerade ein, vielleicht dran liegen, dass von der Muschi (ich bleibe fortan dabei) eigentlich nichts zu sehen ist. Sie liegt eben schnurrend im Körbchen zwischen den Schenkeln ihrer Herrin, versteckt hinter einem Pelz, falls sie naturbelassen ist. Das war, so erinnere ich mich, immer mein größter Kummer, wenn wir auf der Schultoilette während der großen Pause schwarzweiße Nacktfotos tauschten, mit denen wir uns dann in der kurzen Pause vor der letzten Stunde von unseren Überdruck befreiten. In der Linken das Bildchen, mit der Rechten geschruppelt wie die Weltmeister. (Das war lange Zeit vor den Hochglanzmiezen in beliebiger Magazinform und garantiert spannender.)

Spannend aus einem einfachen Grund: Die Mädels hatten nur behaarte Muschis, also nichts als ein schwarzes Dreieck zwischen den Beinen. Und dahinter soll das gelobte Land liegen, behaupteten die Älteren, die angeblich schon mal dort waren. Mir blieb nur die Fantasie, die sich schon deswegen äußerst gut entwickelte, wofür ich dem lieben Gott (und den damaligen Moralaposteln und Pressegesetzen) noch heute dankbar bin.

Die erste Muschi lief mir mit Fünfzehn über den Weg. Und zwar im Wald, der tief verschneit war. Die Marion aus der 8a hatte einen ganz schlechten Ruf, und deshalb überredete ich sie zum Skifahren. Wir kamen von der Piste ab, fingen an zu knutschen, ich zog ihr mit äußerster Mühe die Keilhose (so hieß das) aus, die schrecklich eng war und wegen der unsäglich wollnen Unterhose einfach nicht rutschen wollte, und da sah ich das Fabeltier zum ersten Mal mit eigenen Augen: eine Muschi!

Der Rest war heftig, unbequem auf Tannenzapfen und kaltem Schnee und auch erstaunlich schnell vorbei. Aber fortan wusste ich, warum eine Muschi eine Muschi ist. Sie will gestreichelt, liebkost und gefüttert werden, so lange, wie es nur ihr passt. Und wenn sie nicht mehr will, trollt sie sich zum nächsten Kater.

unten5Aber was eine Muschi ist, das habe ich erst in einem langen Prozess erfahren, der längst nicht abgeschlossen ist und es wohl nie sein wird. Allein die Theorie erfordert schon ein ganzes Männerleben. Meine erste Lektion entnahm ich einem Doktorbuch, einer rot gebundenen Anleitung zur Linderung von Heuschnupfen, Rheumabeschwerden oder auch Bluthochdruck, das im Bücherschrank meiner Eltern einen festen Platz hatte. Ein langweiliger Schinken, aber im Mittelteil gab es bunte Seiten von Männlein und Weiblein mit wunderbar gezeichneten Querschnitten von Körperteilen, die da Penis und Vagina hießen.

Mit letzterer beschäftigte ich mich äußerst intensiv. Den inneren und äußeren Schamlippen. Der Vulva. Dem Scheidenvorhof. Diesem Trommelfeuer an geheimnisvollen Termini, gegen die das kleine Latinum nur ein Hänschenklein war. Die intensivste Neugier forderte jedoch die Frage: Was ist eine Klitoris? Warum, wieso, weshalb gibt es die? Wer ist sie, was tut sie, was kann sie?

Auf einige Erfahrung kann ich seitdem zurückgreifen, bescheiden gesagt. In Athen erfuhr ich, dass Klitoris „kleiner Hügel“ bedeutet. Diese Ahnungslosen.

Noch mal zurück zum Phänomen Muschi. Allein diese Verniedlichung zum Kosewort ist mir ein Rätsel, wobei dies ja durchaus eine multinationale Angelegenheit ist. Siehe pussy. Zudem ist eine Muschi als solche nur noch selten anzutreffen. Sie ist nämlich haarlos geworden, ihres schützenden Fells entledigt durch Lady-Shaver und Rasiercreme. Warum dies geschah, ist ein anderes Thema, aber nicht uninteressant.

unten4Pubertierend hatte mich einst nichts mehr entzündet als ein haariges Frauenbein. Eine Nachbarin zwei Häuser weiter, die hatte solche Beine. Ich lauerte, bis sie gegenüber zu Edeka ging, und ich dann nichts wie hinterher. Behaarte Achseln erschienen mir reizvolle Filialen der Muschizentrale zu sein. Heute will ich’s glatt haben, als Opfer unsäglicher Werbebotschaften in jahrzehntelangem Psychoterror. Gerade deshalb finde ich es sehr hinguckenswert, wenn aus einem dieser klitzekleinen Höschen ein paar deftige Muschihaare gucken. Nur im Mund will ich sie nicht haben.

Dabei ist doch alles, was mit Muschi zu tun hat, eh nicht mundgerecht. Nur der alle Abwehrmechanismen außer Kraft setzende Duft der Frauen erlaubt die gierige Annäherung der an entlegenen Enden vom Schöpfer platzierten menschlichen Körperöffnungen. Lippe zu Schamlippe.

Zentraler Ort aller Handlung ist die Klitoris, flotter gesagt, der Kitzler. Oswald Kolle – wer erinnert sich an den? – hatte noch behauptet, Männer würden vom Kitzler so viel verstehen wie von einer Waschmaschine. Nämlich nüscht. Da stimmt heute so nicht mehr. Der Mann, zumindest der Single, weiß sehr wohl zwischen Fein- und Buntwäsche zu unterscheiden.

Nein, die clit (für alle Weltmänner) ist längst kein unbekanntes Wesen mehr. Jemand hat mal behauptet, dass Männer, die sich mit Begeisterung über diese Perle der Natur hermachen - stundenlang, wenn es sein muss, verkappte Homos sind. Aber sie mit unterschiedlichen Waschgängen (Perwoll fürs Feine, Ariel fürs Grobe) hart zu kriegen, ist Kunst an der Frau, die zu Dankschreiben, Weitersagen an die Freundin oder Vaterschaftsanträgen, mindestens aber zu wiederholten Einladungen führt.

unten6Dabei ist das Umfeld dieses wunderbaren Organs, das verborgen und geschützt zwischen Hautfalten auf seine Auferstehung wartet, mal nur ein scharf gezogener Schlitz in diesem Schatzkästchen, das andere mal jedoch der einzige Orientierungspunkt in einer zerklüfteten, unsortierten Schlucht, um die herum sich tausend Landschaften unübersichtlich wie nach dem Urknall darbieten.

Füllt Mann dieses Vakuum evolutionsgerecht aus, kann er seine Überraschungen erleben. Entweder wird diese intensivste aller denkbaren Expeditionen ins Reich der Muschis spürbar honoriert, oder aber man fällt mit seinem Dödel, Schwanz oder Phallus in einen Eimer mit lauwarmem Wasser. Die Erklärung dafür ist einfach: entweder Muschi und Kater fügen sich nahtlos wie Ying und Yang ineinander, oder irgendetwas ist zu klein oder zu groß geraten. Dies vorher zu erahnen, soll ganz einfach sein: man vergleiche rechtzeitig seine Nase mit der Größe ihres Mundes. Das habe ich seinerzeit in der großen Pause gehört. Und es stimmt, meistens.

Aber eigentlich ist dies alles ein Nebenkriegschauplatz. Die eigentliche Frage, auf deren Antwort ich immer noch warte, ist diese: Warum hat Frau ein gestörtes Verhältnis zu ihrer Muschi? Ich habe selten eine Dame so von Null auf Hundert kommen sehen wie jene Schönheit, die ich darum bat, sich vor mir im Spiegel zu betrachten. Es stellte sich heraus, dass sie – obwohl längst geschlechtsreif und durchaus heiratsfähig – noch nie einen Blick zwischen ihre Beine geworfen hatte. Alles was sie je gesehen hatte, war ein schwarzes Büschchen beim Blick von oben, oder ein Schlitzchen im Spiegelbild. Es hat sie einfach nicht interessiert (!) – bis zu jener Stunde, die zu jenen gehört, die Mann nicht vergisst.

Unvorstellbar, dass Mann seine Handarbeit an IHM verrichtet, ohne IHN dabei auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Aber sie ignoriert ihr optisches Highlight und lässt mit geschlossenen Augen ihre Finger Gutes tun.

Also frage ich mich, eventuell mit Recht, was es denn zu bedeuten hat, wenn in den Profilen der Damen bei IchsucheLiebe auf dem vierten Foto so auffallend oft ein Kätzchen ins Netz gestellt wird. Da ich die Antwort vom ersten bis zum letzten Absatz nicht gefunden habe, bitte ich um sachkundige Kommentare.*

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Muschi

Der Autor dieses Textes ist ein diskreter Frauenheld. Die Zahl seiner Liebschaften geht in die Hunderte. Genau der richtige Mann, um über das weibliche Zentralorgan - auch “Da unten” genannt - zu schreiben, findet FRIDA. Schaumermal, wie er das macht ... 

von Pierre Uhlen

* Die würden FRIDA auch interessieren, und sie leitet sie gern weiter ...

Musch
Frido hasst Katzen
Wenn Sie dann doch wissen wollen, was sich hinter den schützenden Händen der Frauen verbirgt, besuchen Sie doch diese informative, ehrliche und unaufgeregte Site mit Fotos, Zeichnungen, Berichten, Untersuchungen:
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