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Angela Merkels Kindheit in Templin

Von Gabriele BĂ€rtels


Es kann nur einem Pfarrer einfallen, sich 1957 aus dem Westen nach Templin versetzen zu lassen, einer Kleinstadt in der Uckermark, deren Wege aus Sand und PfĂŒtzen bestanden. Die historische Innenstadt war zerbombt, außer einem Lieferwagen und einem LKW gab es keine Autos, nur Trecker.

Des Pfarrers Ă€lteste Tochter Angela Dorothea Kasner, spĂ€ter Merkel, war drei Jahre alt, als die junge Familie die Wohnung im ersten Stock des Haus Fichtengrund bezog, einem der verschachtelten FachwerkgebĂ€ude auf dem Waldhof, die sich zusammen wie ein Dorf gruppieren. Das Prediger-Seminar, das Horst Kasner leitete, befand sich auf dem gleichen GelĂ€nde wie die Stephanus-Stiftung, eine evangelische Einrichtung fĂŒr geistig Behinderte.

(Haus Fichtengrund)

An diesem Ă€ußersten Ende Brandenburgs mangelte es an allem, und die mĂ€nnliche Jugend wilderte nicht nur zum Spaß in den WĂ€ldern, Seen und auf der Heide. Nach den Ferien fehlten hĂ€ufig Klassenkameraden, deren Familien auf ZuckerrĂŒben- und HolzflĂ¶ĂŸen ĂŒber die „grĂŒne Grenze“, den Röddelinsee, durch zahlreiche Schleusen, die Havel nach Westberlin geflĂŒchtet waren. Horst Kasner wird so zitiert: „Man wollte nicht an den Fleischtöpfen Ägyptens rumhĂ€ngen,“ sondern dahin gehen, wo man gebraucht wurde.

Von hier aus ist Angela Kasner also zur Goetheschule geradelt, eine sehr schĂŒchterne, sĂŒĂŸe ErstklĂ€sslerin, wie sich Ruth, Krankenschwester, dunkel erinnert, die vor ĂŒber vierzig Jahren in die vierte ging. „Vom Gesicht her hat sie sich nicht sehr geĂ€ndert.“

(Blick aus dem Haus Fichtengrund auf den Waldhof)

Als Bewohnerin des Waldhofs war das kleine MĂ€dchen von Anfang an eine Außenseiterin. Der Waldhof liegt einen Kilometer abseits am Templiner Kanal. „Geistig behinderte Menschen“, sagt der Leiter Diakon Reifenstein, „passten nicht zum sozialistischen Bild vom Menschen, der jung, stark und tĂŒchtig sein sollte.“ So ĂŒbertrug man der Kirche gern die Betreuung und ließ den Waldhof weitestgehend in Ruhe.

Der Nachbar Egbert Binkow erinnert sich: „Der Waldhof wurde von der Kirche aus dem Westen unterstĂŒtzt und war damit exterritoriales Gebiet fĂŒr uns. Sie besaßen Valutamark und bekamen Besuch, Spenden und Kleidung von drĂŒben. Die Siedlung war auch sonst autark, hatte eigenes Vieh, die GĂ€rtnerei, WĂ€scherei, WerkstĂ€tten, in denen die Behinderten arbeiteten, die dazu in der Lage waren. Außerhalb des GelĂ€ndes hat man sie allerdings kaum gesehen.“ Vor der Wende „war der Kontakt von draußen nicht so erwĂŒnscht“, setzt der Diakon dagegen. „Wir mussten uns selbst versorgen. Und den Kindern aus Templin sagte man: Geht mal lieber nicht dahin zum Spielen.“

Hier sind die geistig Behinderten ĂŒberall. In blauer Arbeitskleidung schaffen sie auf leicht verwilderten Beeten, und manche wiederholen die gleiche, sinnlose Bewegung immer wieder. Ein Ă€lterer Herr, auf dessen SchiebermĂŒtze „Großglockner“ steht, schiebt mit seinem Besen konzentriert Fichtennadeln zusammen. Angela Merkel erzĂ€hlt in den Interviews mit Hugo MĂŒller-Vogg: „Befremdlich? Überhaupt nicht. ... FĂŒr mich war das alles ganz normal.“

DerLeutnant, 62, der eigentlich GĂŒnter heißt, lebt seit ihrer Kinderzeit auf dem GelĂ€nde. Man nennt ihn so, weil er alle militĂ€rischen Dienstgrade aufsagen kann und liebend gern exerziert. In dem Interview erinnert sich Angela Merkel, dass sie ihn frĂŒher in Schutz nehmen mussten, „damit er sich nicht zu lĂ€cherlich machte“. Er beheizte im Haus Fichtengrund die Zimmer und hielt den GemĂŒse-Garten in Ordnung.

(Der “Leutnant”)

Den Sommer verbrachten alle Kinder draußen, und das hieß auch fĂŒr Angela: Freier Blick ĂŒber Kornfelder, hinter dem Haus das FichtenwĂ€ldchen und die sumpfigen, blĂŒhenden Wiesen hinunter zum Kanal, an dessen Ufern sich das Schilf bog, Seerosen schwammen und Biber ihre Burgen bauten, so wie heute. KĂŒhemelken, Schweine schlachten – erdiges Landleben eben.

(Templiner Kanal hinter dem Waldhof)

Vater Kasner, der zuvor drei Jahre Gemeindepfarrer gewesen war, taugte wohl weniger zum praktischen Dienst am Menschen als mehr zum Theologisieren. Damals etablierte sich der „Hauskreis“, wie ihn die Beteiligten nennen, der sich auch jetzt noch monatlich trifft und ĂŒber Gott und die marxistische Welt diskutiert. Diakon Reifenstein: „Die sozialistischen Grundgedanken fand Kasner in Ordnung, aber nicht die Art der Umsetzung.“ Der Kreis setzte sich aus Ă€hnlich schlangenlinientreuen Intellektuellen und Theologen zusammen und wurde von der Stasi beobachtet.

Misstrauen sĂ€ht Verdacht. „Und wer verdĂ€chtigt wird, ist automatisch kritisch“, erklĂ€rt Reifenstein die Befindlichkeit dieses Forums und Horst Kasners. Dass man auf dem Hof Westfernsehen schaute, erkannte ein DDR-BĂŒrger schon daran, in welche Richtung die Dachantenne zeigte, aber auch die Antennen vieler Templiner bogen sich in dieselbe Richtung. Interessanter war die Bibliothek mit West-BĂŒchern auf dem Hof. Die Kasner-Kinder hatten dazu freien Zugang, und im Hauskreis standen westliche Zeitungsartikel zur Diskussion.

Herr Prieß und seine Frau kamen 1964 hinzu und sind jetzt noch dabei. Da war Angela zehn Jahre alt, ihr Bruder Markus sieben, ihre jĂŒngste Schwester gerade geboren. Herr Prieß erinnert sich an sie als an ein problemloses Kind, ehrgeizig und hoch begabt. „Am Hauskreis nahm sie allerdings nur selten teil.“

Über Politik wurde auch am Abendbrottisch diskutiert. „Eine evangelische Pastorenfamilie – das sind vielseitig interessierte Leute.“ Ein förderndes Umfeld fĂŒr ein aufgewecktes MĂ€dchen, das Kunstpostkarten sammelte, was keiner ihrer MitschĂŒler nachvollziehen konnte. Angela Merkel sagt dazu: „Die ganze DDR war fĂŒr mich nur auszuhalten, dass wir darĂŒber gesprochen haben, warum etwas ist, wie es ist. ... Wenn es [in der Familie] eine Kontroverse gab, dann bestand sie darin, dass fĂŒr mich sehr frĂŒh entschieden war, dass die DDR nicht funktionieren konnte.“

Mit solchen Überzeugungen musste man vorsichtig sein. Selbst im Hauskreis gab es Spitzel. Doch alles ist nicht immer so eindeutig, wie es sich dem Westdeutschen darstellt. Herr Prieß: „Das Gros der IMs hat versucht, einen rauszuhauen. Dennoch spielte man nach außen nicht den politischen Schreihals. Horst Kasner wird seiner Tochter beigebracht haben, wie man sich auf ein GebetsmĂŒhlenminimum beschrĂ€nkt, um sich in diesem Staat nicht selbst den Weg zu verbauen.“

Trotzdem bewarb sich seine Frau Herlind alljĂ€hrlich vergeblich um eine Stelle als Englischlehrerin, und fĂŒr ihre Tochter Angela war es im Arbeiter– und Bauernstaat ein Kampf, auf die Erweiterte Oberschule zu kommen.

Die heutige Waldschule liegt nur zweihundert Meter die Straße hinauf, ein kurzer Schulweg fĂŒr Angela. Das FachwerkgebĂ€ude hat acht Klassenzimmer. Die 68jĂ€hrige Erika Benn war dort frĂŒher Russischlehrerin. Besonders begabten SchĂŒlern erteilte sie in einem Russisch-Kreis zusĂ€tzlich freiwilligen Unterricht. Sie redet gern und viel mit den Medien.

(Erika Benn, Russischlehrerin)

„Die Angela war mir von einer Lehrerin avisiert worden. Die ist gut, die wird mal was, sagte sie.“ Der Russisch-Kreis traf sich Sonntagmorgens in ihrer Wohnung. „Angela war unerhört fleißig und eine Autodidaktin, lernte noch an der Bushaltestelle Vokabeln, machte keine Fehler, gab sich zurĂŒckhaltend, aber nicht schĂŒchtern. Ich hatte nie wieder eine derart hochbegabte SchĂŒlerin.“

Unter der Losung „marxistisch-leninistische Weltanschauung ist das feste Fundament der Freundschaft“ fanden damals jĂ€hrlich Russisch-Olympiaden statt. In der Bezirks-Olympiade 1969 gewann Angela Kasner den 1. Preis. Auf der nĂ€chsten Parteiversammlung sagte der Schulrat zur stolzen Lehrerin, es sei keine Kunst, Arzt- und Pfarrerstöchter zu fördern.

Eine, die Gruppen mit sich riss, war ihre beste SchĂŒlerin nach Ansicht von Frau Benn nicht. Sie hatte eher den Eindruck, es sei ihr peinlich, soviel zu wissen. Dazu erzĂ€hlt Angela Merkel in dem o.a. Interview: „GrundsĂ€tzlich galt fĂŒr uns [Pfarrers-] Kinder das Gebot der UnauffĂ€lligkeit.“ Als sich der Russisch-Kreis 1986 auf einem Ehemaligentreffen fĂŒr ein Foto gruppiert, steht Angela Kasner ganz weit hinten, und ihr Kopf ist kaum zu sehen.

(Russisch-Kreis-Treffen 1986)

Hartmut Berlin, Bauunternehmer, ist mit Angelas Bruder Markus in eine Klasse gegangen. Sein Schulweg fĂŒhrte ihn tĂ€glich ĂŒber den Waldhof, und die beiden Jungen verband eine SchĂŒlerfreundschaft. So war Berlin hĂ€ufig bei der Familie eingeladen, die er als harmonisch empfand. „Sie besaßen ein Monopoly-Spiel aus dem Westen, und das haben wir beim Kindergeburtstag gespielt. Beim WĂŒrfeln sagte Herr Kasner kopfschĂŒttelnd: „Dieses Spiel setzt die niedrigsten menschlichen Instinkte frei.“ Markus, den Berlin als stolz und ehrlich charakterisiert, lieh seinem Freund einmal ein Buch von Hoimar v. Ditfurth. „An so was kamen wir sonst nicht heran.“

Äußerlich soll Markus Schwester keine Attraktion gewesen sein, „aber beide waren in der Schule die absoluten Cracks.“ Dass man ihr als Pfarrerstochter grĂ¶ĂŸere Steine in den Weg gelegt haben könnte, will Herr Berlin nicht bestĂ€tigen. „Hochleistung wurde in der Schule durchaus anerkannt.“

Nur einmal stand Angela Kasner kurz vor dem Schulverweis. AnlĂ€sslich eines Kulturwettstreites sollte die 12b wie alle anderen in der Aula ein Programm prĂ€sentieren. Die Abitur-Klasse hatte keine rechte Lust gehabt und eine kesse Mischung aus hastig zusammengebauten Sketchen und Morgenstern-Gedichten dargeboten. Das wĂ€re ja noch durchgegangen, jedenfalls wurde geklatscht. Aber als am Ende die SchĂŒlerin Angela auf die BĂŒhne stieg und verkĂŒndete, dass ihre Klasse 300 Mark fĂŒr die Frelimo gesammelt habe (von der DDR unterstĂŒtzte Befreiungsorganisation in Mozambique), wĂ€hrend alle anderen fĂŒr das vom Klassenfeind bekriegte Vietnam gespendet hatten, trat eine Stille ein, in die hinein die Lehrerin fĂŒr StaatsbĂŒrgerkunde sprach: „Das ist ein Eklat!“ Die Stasi kam fĂŒr zwei Tage an die Schule, es folgten GesprĂ€che mit den Eltern, der Kreisschulrat Flemming (Ehegatte der besagten Lehrerin) betrieb Angelas Verweis, wegen der herausragenden Schulleistungen der Delinquentin und Eingaben ihrer Eltern an höhrere Stellen wurde schließlich davon abgesehen. GlĂŒck fĂŒr ihre Tochter, denn ein Studium wĂ€re dann unmöglich gewesen.

(ehemalige erweiterte Oberschule)

Oppositionell sei Angela ansonsten nicht aufgetreten. „Sie war in der FDJ, aber das waren die meisten. Sie ging zur Christenlehre, und auch da war sie nicht die einzige. Eigentlich war keiner an der Schule, der die DDR verneint hat. Wir waren hineingeboren worden. Geschichte wurde nur unter dem Aspekt der Arbeiterklasse unterrichtet. Auf den FDJ-Nachmittagen erhielten wir zusĂ€tzliche Rotlichtbestrahlung. Doch es fehlte ein durchgĂ€ngiger roter Faden. In die Partei strebten die wenigsten SchĂŒler.“

Wie er das Wesen von Angela Kasner beschreiben soll, weiß Herr Berlin nicht recht. Er versucht es mit einem Bild: „Sehr viel spĂ€ter habe ich einmal gesehen, wie sie auf dem Marktplatz ihre Eltern traf. Sie gab der Mutter kĂŒhl die Hand und wollte es mit ihrem Vater genauso machen. Er zog seine Tochter dann an sich.“

Angela Kasners damaliger Klassenlehrer möchte nicht, dass sein Name genannt wird, denn bis zur Wende hatte er es zu einem „relativ hohem Bediensteten der DDR“ gebracht. Seiner Ansicht nach konnte man sich Unparteilichkeit in jener Zeit nicht leisten. „Man war an dieser Schule sehr hellhörig. Die SchĂŒler sind unsere Leute und sollten einmal als Ärzte oder Direktoren unseren Staat voranbringen. Als ich 1969 als junger Lehrer hier antrat, hatte ich keine Ahnung, wer Kasners waren, und dass sie eine besondere Rolle spielten.“ Anfangs diskutierte man auf den Elternversammlungen noch miteinander. Der Klassenlehrer sagte zu Vater Kasner: „Ich finde es nicht gut, dass Ihre Tochter konfirmiert ist.“ Damit war es mit der Kommunikation aus.

Als strammes Parteimitglied und Mathematiklehrer begleitete der Mann ohne Namen Angelas Klasse drei Jahre. „Sie war eine SchĂŒlerin im wirklichen Sinne, die gezeigt hat, was sie kann. Gespeicherte Fakten konnte sie logisch sehr gut zueinander bringen. Sie dachte naturwissenschaftlich. Manchmal kam sie uns beinahe zu erwachsen vor.“

Harald Löschke, Leiter der Polizeiwache, ging in Angelas Parallelklasse. Der Spruch eines Lehrers von damals hat sich ihm besonders eingeprĂ€gt: „Unsere Schule ist eine Kaderschmiede, und wer sich nicht schmieden lassen will, der muss gehen.“ Wie alle anderen ĂŒbte auch Angela wĂ€hrend der Ferien in Uniform Zivilverteidigung und verbrachte die Schul-Nachmittage auf FDJ-Treffen.

Sie waren beide 17 Jahre alt. „Angela war etwas Besonderes, fĂŒr ihre Siege in der Russisch-Olympiade bezirksweit bekannt. Sie wurde geehrt und geachtet, aber ruhte sich nicht aus. Sie wusste, wie sie besser werden kann und wurde es. Überall trug sie ihr Buch mit sich und schaute Vokabeln nach. Hast Du ihr eine Frage gestellt, hast Du eine Antwort bekommen. FĂŒr so viel Hilfsbereitschaft und Einsatz wĂ€re ich viel zu faul gewesen. Ich interessierte mich mehr fĂŒr MĂ€dchen. Ich bewunderte Angela, aber sie passte nicht in mein Beuteschema.“

Wenn die Jugendlichen die Sau rausließen, „ ... also tanzen, trinken, knutschen, fummeln, im Kofferradio die Hitparade laufen lassen, nackt im See schwimmen“, fehlte sie. Sie hatte ihre Erfolgserlebnisse anderswo. „Auf AusflĂŒgen fĂŒhrte sie hochwissenschaftliche Diskussionen mit den Lehrern, das war schon nicht mehr unsere Welt. Mit MĂ€nnern habe ich sie nie gesehen. Es konnte ihr ja auch keiner das Wasser reichen. Meistens war sie allein.“

Ihre Eltern fand Harald Löschke sehr sympathisch. „Angela Merkel stammt aus einer sehr sehr intelligenten Familie, in der man ihr beizeiten beigebracht hat, was fĂŒr sie vorteilhaft ist und was nicht. Sie zeigte nach außen eine gewisse Anpassung und wusste, was sie tun musste, um zum Studium zugelassen zu werden. Ihr Vater ist ĂŒbrigens Polizistensohn.“

Nur ein Vorkommnis irritierte Harald Löschke: „Nach dem Abitur ging ich zur Polizei und hatte in Uniform zum Studium zu erscheinen. Auf dem Prenzlauer Bahnhof traf ich Angela, die ihrerseits zum Physikstudium nach Leipzig fuhr. Ich war froh, einem bekannten Gesicht zu begegnen und eilte auf sie zu. Sie blieb distanziert, und ich spĂŒrte deutlich, dass ihr das Zusammentreffen unangenehm war.“

Der Nachbar Egbert Binkow sagt, Angela Kasner sei in Templin eine AussĂ€tzige gewesen. In den Kneipen habe man einander zugeflĂŒstert, sie gehöre zur Recht auf die Lepra-Station. Offiziell wĂŒrde so etwas natĂŒrlich niemand sagen.

(Templin)

„Raus aus der Kleinstadt“, das war es, was Angela Kasner wollte. Gleich nach dem Abitur, das sie mit 1,0 abschloss, verließ sie Templin.

Dreißig Jahre spĂ€ter besitzt sie ein Wochenendhaus in der NĂ€he – Ă€hnlich abgeschieden wie der Waldhof. Dahinter liegt schilfumsĂ€umtes Wasser, Fischreiher stolzieren durch sumpfige Wiesen, die Felder sind weit, die WĂ€lder hoch. Die Einheimischen erzĂ€hlen einander, dass man die CDU-Vorsitzende gelegentlich dabei beobachten kann, wie sie im Kittel ĂŒber die Straße lĂ€uft, um beim Nachbarn frische Eier zu holen.

 

(Templiner SumpfblĂŒte)

 

 

 

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