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Ulrich, 28, Cutter
Was mir immer am meisten Angst gemacht hat, war dieses Schweigen. Manche Frauen denken, es würde reichen, wenn sie stöhnen und sich Dir entgegenbiegen. Als wenn Mann dann schon wüsste, was er machen muss. Aber ich bin doch nicht als studierter Liebhaber zur Welt gekommen. Ich weiss nicht alles über mich und schon gar nicht über sie. Wie soll ich sie richtig berühren, woher soll ich ihre Erregungskurve kennen, wie kann sie glauben, dass ich ihre erogenen Zonen so zielstrebig ansteuere, als wenn sie ihr auf die Haut gemalt wären? Manchmal fühlte ich mich wie ein Blinder mit einer Straßenkarte in der Hand. Das hat mich überfordert und sehr verunsichert. Lange Zeit habe ich mich für einen aasig schlechten Liebhaber gehalten.
An eine Situation kann ich mich erinnern, das war wirklich eine Katastrophe. Wir hatten uns auf einer Party bei Freunden kennengelernt und uns wirklich sehr gut unterhalten. Ich bin dann mit zu ihr nach Hause und dort war es mit dem Reden auf einmal vorbei. Als wären wir uns plötzlich absolut fremd und das, was wir taten, so peinlich, dass man es zwar tun, aber nicht darüber sprechen konnte. Ihre Augen waren gross und guckten erschrocken, meine wahrscheinlich auch. Wir haben uns beim Sex ständig gestossen und versehentlich gekratzt. "Entschuldigung" war das einzige, das über unsere Lippen kam. Ich fühlte mich grob, linkisch und ungeschickt, da konnte sie seufzen, soviel sie wollte. Ich hätte gerne gewusst, ob ich sie wirklich antörne, und wie ich es noch besser machen könnte. Ich hätte gerne gesagt, dass ich es mag, wenn sie an meinen Brustwarzen saugt. Aber ich habe mich nicht getraut, kam mir vor wie ein Sexmonster. Wir haben den "Akt" dann schweigend zuende gebracht. Danach bin ich gegangen, weil ich mich so mies fühlte. Wahrscheinlich war sie auch froh, mir morgens nicht mehr zu begegnen. Wenn einer von uns gewagt hätte zu lachen, hätten wir vielleicht sogar mehr als eine Nacht miteinander verbracht.
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Robert, 31, Chemiker
Mit neunzehn war ich ein schüchternes, schmales Hemd. So sehr viele Erfahrungen mit Frauen hatte ich noch nicht gesammelt. Ich stand mit einem Kumpel bei einem Konzert herum, da kam sie auf mich zu. Ein Vollweib. Gross, ausladend, mit einer lauten Stimme. Sie war bestimmt zehn Jahre älter als ich. Ich war mehr überrascht als aufgeregt, als sie fragte, ob ich nach dem Konzert noch mit ihr tanzen gehen wolle. Manche Männer erzählen gerne, wie eine ältere Frau sie in die Liebe eingeführt hat. Diese hier hat mich hineingerissen. Ich fühlte eine seltsame Mischung aus Beschämung, Hilflosigkeit, Stolz und Erregung.
Es hat eine ganze Weile gebraucht, genauer gesagt, ein Jahr, bevor ich begriff, wie sehr sie mein Selbstbewusstsein untergrub. Sie entschied, wie, wann und wo wir es machten. Sie hielt mir vor, dass ich sie nicht richtig anfasste, hier zu grob, da zu weich, dort nicht drängend genug. Ich kam ihr zu schnell, ich redete ihr zu wenig, ich stöhnte zu leise, ich war zu fantasielos. Mein Schwanz und ich, wir wurden immer kleiner.
Ich begann, mich vor den Treffen mit ihr zu fürchten, und als ich das erste Mal versagte, beschimpfte sie mich fürchterlich. Sie führte Schleiertänze auf und legte einen Pornofilm ein, umschlang mich mit ihrer erstickenden Weiblichkeit, bis ich aus dem Bett rutschte, meine Sachen zusammenraffte und floh. Sie rief mich dann noch mehrmals an, aber ich legte immer auf. Danach dachte ich, dass ich wahrscheinlich schwul war und habe mich gar nichts mehr getraut. Wenn mich eine Frau angelächelt hat, habe ich die Augen niedergeschlagen. Ich hab mal versucht, mit meinem Kumpel darüber zu sprechen, aber es ging nicht.
Nachdem ich die Schule beendet hatte, bin ich zwei Monate durch Thailand getrampt. Auf der Reise begegnete ich vielen Frauen in meinem Alter, die auch mit dem Rucksack unterwegs waren. Da erst entwickelte ich eine unbefangene Art, mit ihnen umzugehen und habe sozusagen meine Umschuld wiedergefunden.
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Dirk, 37, leitender Angestellter
Wenn sonst die Frauen schnell unter die Decke schlüpfen - hier bin ich es, der es eilig hat, seine Michelin-Männchen-Fülle unter den Laken zu verbergen.
Ich hatte schon mit sechzehn einen Bauch. Mit den Jahren sind noch ein paar Schwimmringe dazugekommen. Ausserdem bin ich nicht gerade gross und habe eine Halbglatze. Im Sportunterricht war ich der Letzte, der von einer Mannschaft zum Mitspielen ausgesucht wurde. In den Umkleideräumen und unter der Dusche bewunderte ich sie: diese hochaufgerichteten Adonisse, über deren Muskeln das Wasser perlte. Bestimmte männliche Attitüden konnte ich nicht übernehmen. Mit Eroberungen prahlen, Strichlisten führen, immer der Schönsten hinterher - das hätte komisch ausgesehen und ich hätte es auch nicht gewagt. Gerade in der Pubertät waren die Mädchen gnadenlos. Sie haben sich wohl auch nicht vorstellen können, dass sich hinter dem zu Scherzen aufgelegten Fettpolster ein in seiner werdenden Männlichkeit sehr labiler, magerer Kern verbarg. Zwangsläufig begriff ich, dass ich andere Talente entwickeln musste, um ein Mädchen zu bezaubern: W itz, Einfühlungsvermögen, Zuhören-Können.
Um einer Begegnung Tiefe zu verleihen, braucht es Offenheit. Ich glaube, wir sind alle sehr verletzlich, wenn es um Sex geht, weil es da keinen Fetzen Stoff mehr gibt, mit dem wir unsere Unzulänglichkeiten bedecken können. Und das, was mal meine grösste Befürchtung war: Dass eine Frau über meine Nacktheit lacht, hat sich über die Jahre durchaus zu einem Vorteil umgekehrt: Bei mir hat keine Frau Angst, zu fett zu sein und falls doch, dann kann ich ihr das mit einem Griff in meine Seitenteile sehr schnell nehmen. Trotzdem habe ich es nicht gern, wenn meine Freundin am Strand zu viele Waschbrettbäuche betrachtet.
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David, 43, Vertriebsleiter
Mein dreiunddreißigster Geburtstag. Cocktails. Meine Partnerin und ich richtig schön besoffen. Wir liebten uns wild. Wahrscheinlich kennt jeder diese Situation. Die Frau ist oben und manchmal ist der Winkel etwas ungünstig, der Penis knickt, es tut weh. Diesmal gab es ein dumpfes Geräusch. Wir haben aufgehört und sind eingeschlafen. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, sah mein Penis aus wie eine Blutwurst. Blau, angeschwollen. Ich konnte nicht pinkeln.
Wir fuhren sofort ins Krankenhaus. Das Zimmer füllte sich mit Ärzten. Ich schrie vor Schmerzen und Angst. Unter Narkose legten sie einen Katheder. Der Chirurg zerschnitt die Vorhaut und krempelte die Haut wie eine Pelle an meinem Schaft herunter. Die Harnröhre und zwei Schwellkörper waren gerissen. Die Operation dauerte mehrere Stunden und ich wachte auf der Intensivstation auf. Sechs Wochen lag ich auf dem Rücken. Danach hatte ich Narben an der Wurzel und an der Vorhaut, und mein Penis bog sich wie eine Banane nach rechts. Ob alles wieder funktionieren würde, wusste keiner.
Es gibt eine Urangst, das Ding zu verlieren. Dabei geht es nicht um die Existenz eines kleinen Fleischstückchens, sondern um das, was dahintersteht. Ein Mann ohne "Männlichkeit" fühlt sich nun mal nicht als solcher. Du wirst keine Frau auf Dauer halten können, wenn Du nicht mehr kannst. Flirten geht nicht in dem Zustand. Ich hatte einen Heidenschiss und suchte eine Frau, bei der ich mich verkriechen, mit der ich meine Angst teilen konnte, die mir über die Klippe half. Ich lernte sie vier Monate später in einer Bar kennen, eine fremde, verrückte Frau mit Einfühlungsvermögen. Ich habe ihr alles erzählt. Sie sagte: "Brauchst ja nicht zu vögeln, lass mal." Sie war neugierig und untersuchte meinen Penis sehr genau. Plötzlich wollte ich sie und dann ging es auch. Der Bann war gebrochen.
Es hat noch lange gedauert, bis ich wieder zulassen konnte, dass die Frau oben liegt. Zuerst habe ich geschwitzt, es war der absolute Horror.
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Christian, 58, Topmanager
Es hat etwas Schleichendes. Angefangen hat es vor vier Jahren. Eines Nachts ging es eben nicht mehr. In Panik bin ich nicht ausgebrochen. Ein bisschen früh, dachte ich. Es liegt am Stress oder daran, dass ich einfach keine Lust mehr auf meine Frau hatte. Eine Erektion bekam ich noch. Aber sie verging wieder, ohne dass ich ejakulierte. Ich ließ mir Viagra verschreiben, aber es hat nicht geholfen. Jetzt wird er nur noch selten steif.
Ich hatte einmal ein intensives Sexleben. Ist es deswegen, dass ich nun nicht mehr kann? Bin ich selber schuld?, fragte ich mich. Das hat schon an meinem Selbstbewusstsein gekratzt. Meine Frau fand das auch nicht lustig. Aber wir hatten nie über Sex gesprochen und schliefen nun einfach nicht mehr miteinander.
Mit der Frau, mit der ich jetzt zusammenlebe, war es am Anfang auch schwierig. Ich war ja nicht gewohnt, über diese Dinge zu reden, und es brauchte einige Zeit, bis wir unsere Hemmungen überwanden, etwas Fantasie entwickelten, und ich lernte, sie mit dem Mund zu befriedigen. Das hat sie sowieso am liebsten. Die Nähe und die Intensität, die bei diesem Zusammensein entsteht, genieße ich. Aber Befriedigung und Entspannung war für mich früher gleichbedeutend mit einer Ejakulation und andere erogene Zonen an mir zu entdecken, bereitet mir Schwierigkeiten. Ich bringe es bis heute nicht fertig, Wünsche an meine Freundin zu richten.
Eine Affäre hatte ich zwischendurch. Ich dachte, es würde gehen, weil die Erregung bei einer neuen Frau ja groß ist. Vielleicht habe ich es sogar deswegen versucht. Aber es ging nicht. Das war schon sehr demütigend. Schnelle Eroberungen werde ich wohl nicht mehr machen, denn ich bin sehr abhängig davon, wie meine Partnerin reagiert.
Je länger es anhält, desto mehr fürchte ich die Endgültigkeit. Aber ich sage mir immer: es ist keine Schande, sondern eine Schwäche und ich bin darum als Mann nicht weniger wert. Ich muss eben damit fertig werden. Neid auf jüngere Männer habe ich nicht. Und die sexuellen Gedanken und Träume, die ich früher nachts hatte, die Erektionen, mit denen ich aufgewacht bin, das ist vorbei. Ich vermisse sie nicht. Früher habe ich mich oft selbst befriedigt, wenn ich Lust hatte. Jetzt habe ich eben keine Lust mehr. 
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