|
Dildos in der U-Bahn von Susanne Stoeppler, Hamburg (13.5.07)
Heute ist Sonntag und Hafengeburtstag. Ich bin mit meinem Sohn - er ist 8 und sehr aufgeweckt - zum “größten Hafenfest der Welt“ gefahren. Natürlich mit der U-Bahn, ist ja schlauer als mit dem Auto, denke ich. In den Waggons werden die Stationen von Kinderstimmen angesagt. Ich mag das. Mein Sohn findet es, glaube ich, auch gut, zumindest OK.Auf den kleinen Monitoren, die unter der Waggondecke hängen, wechseln Cartoons mit Werbung und Nachrichten. Besonders die Kinder schauen hin, sind fasziniert. Die Züge sind sehr voll, ist ja klar, Hafengeburtstag, Familienausflug, viele Kinder, Sonntag usw. Dann flimmert diese Nachricht über den Bildschirm: Der Beate-Uhse-Konzern muss 50.000 Euro Strafe zahlen für Dildos, die nach zwei sehr prominenten (kennt jedes Kind) Fußballern benannt wurden. Verletzung der Persönlichkeitsrechte etc. Mein Sohn hat gerade nicht hingeschaut, ich und andere schon. Frage mich, wie ich einem 8-jährigen Kind in der Bahn vor den Ohren aller die Frage: “ Was ist ein Dildo?“ beantworten würde. Oder würde ich mich in der Situation gezwungen fühlen, die Frage abzubügeln? Wer schützt eigentlich meine und die Persönlichkeitsrechte von minderjährigen Kindern, sowie Menschen mit Schamgefühl? Was ist das für eine Zumutung, nachdem man schon an der Bushaltestelle quasi zwischen den Schenkeln eines Palmer Unterwäsche-Models, auf den Bus gewartet hat? Nun auch noch, ganz kurzweilig, auf diesen Infobildschirmen in der Bahn, Dildos mit Fußballernamen. Ich kann es kaum glauben, bin sauer, nein eigentlich nur erschüttert darüber, wie schlecht die Selbstkontrolle einer Institution wie den Hamburger-Verkehrs-Betrieben und anderer Verantwortlicher funktioniert. Unsere Kinder wachsen in einer sexualisierten Welt auf, und wir merken es, schauen zu und übernehmen keinerlei Verantwortung! |