FRIDA 4
Frida kostet nichts,


















aber das ist nicht wahr ...
Mail an FRIDA

<<< Zurück zur neuesten Frida

 

Möchten Sie wissen, wann die nächste Frida erscheint? Frido apportiert mit Vorliebe den Newsletter.

Welten

 

Überlebenshilfe Glamour

 

1. Der eiserne Schleier

 

2. Interview Seyran Ates

 

Perle des Alltags: Umzug

 

Zeugungsangst

 

Herzen

 

Das Gerücht

 

Woran zerbrechen Frauenfreundschaften?

Brauchen Sie Familie?

 

Manager sucht Gattin

 

Liebesgeschichte

 

Körper

 

Geburts-Tag

 

String-Emil & Konsorten

 

Im Bett mit Bussi-Bär

 

Die “völlig neue Freiheit

 

Implanon

 

Nordic Walking

 

Künste

 

Die doppelte Alice

 

Portrait: Dorothy Parker

 

Lyrik: Komma

 

Story: Auf den Dächern

 

Interview: Ingrid Noll

 

Wirtschaften

Perle d. Alltags: Kopierer

 

Mann am Rockzipfel?

 

Marktmacht Frauen

Kunst, Leute zu verar...

 

 

Das letzte Rätsel

Intern

Presse + MEDIENPREIS

Impressum

Spenden

Leserbriefe

Frida kostet nichts, aber das ist nicht wahr

Perlen des Alltags: Der Bürokopierer
Text und Bild von Gabriele Bärtels

Der Kopierer ist in jedem Büro ein Ort sozialer Begegnung, besonders, wenn er kaputt ist.

 

Ein großes Projekt wird geplant. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Abteilungen funktioniert reibungslos. Bis auf eine Schnittstelle ...

Der Kopierer steht immer am falschen Platz. Die Kollegen aus dem Controlling müssen am weitesten laufen und beschweren sich. Die aus der Buchhaltung sitzen direkt daneben und finden, dass die Lärmbelästigung eine Zumutung ist. Nun hat man ihn vor die Werkstatt des Hausmeisters geschoben. Der braucht das Ding eigentlich nie und fasst es auch nicht an. Displays sind ihm unheimlich.

Alle Mitarbeiter werden hier jetzt täglich angespült, Sachbearbeiter und Abteilungsleiter, Juristen und die Empfangsdame. Das Zufallsprinzip bringt jeden mit jedem in Kontakt, und es gibt nichts, was den Gemeinschaftssinn so stärkt wie das: Der Kopierer kopiert nicht, sondern frisst Blätter, staut sich, hustet, quietscht, tropft, raucht, explodiert, blinkt hektisch, braucht Erste Hilfe.

Ein Kopierer hat viele Schubladen und Rädchen und Klappen. Herr Dr. Berger krempelt sein weißes Hemd auf und öffnet die größte mit fachmännischem Blick. Beinahe hätte er dem hinter ihm stehenden Praktikanten befohlen: “Tupfer!”

“Lassen Sie die Schere weg”, ruft die Sekretärin von weitem, “Sie kennen sich nicht aus.” Der Stoff ihres engen Rockes spannt sich gefährlich eng um ihre Hüften, als sie sich vor das offene Geheimnis hockt - ein Abgrund aus Schienen und Schrauben, und weil sie nicht zugeben kann, dass sie auch nichts weiß, dreht sie hier, rüttelt sie da, zerquetscht einen Fluch zwischen den Lippen und hat bald die Finger voller schwarzer Farbe. Das Papier staut immer noch.

Inzwischen stauen sich auch die Kopierwilligen, die nur mal ganz kurz .... Sie haben ihr Telefon nicht umgestellt und wippen nun mit dem Fuß, keiner will seinen vorteilhaften Platz in der Schlange verlieren, aber weiter warten wollen sie auch nicht. Die Sekretärin hat inzwischen einen roten Kopf, und der wird mit Vermutungen beworfen: “Vielleicht vorn .. vielleicht hinten .. vielleicht fehlt Toner .. vielleicht kein Papier.”

Der Hausmeister steckt den Kopf aus seiner Werkstatt und sagt: “Det Ding muss hier weg.”

“Wenn man ihn ausschaltet, eine Knoblauchzehe gegen die Deckenleuchte hält, dreimal vorwärts um den Aktenschrank läuft, und einmal rückwärts, dabei tief einatmet und dann “Ommm” sagt, tut er es meistens wieder”, sagt die Auszubildende im ersten Lehrjahr und ist sich nicht zu schade, die Maßnahme gleich vorzuführen. Die Schlange aus Mitarbeitern verfolgt fasziniert den kreativen Lösungsansatz.

Auf das Zeichen der Auszubildenden drückt Herr Dr. Berger auf die On-Taste. Wie ein Hauch spuckt der Kopierer das verschluckte Blättchen aus, ganz beiläufig rutscht es in die Ablage.

“Er geht wieder!”

Die Erleichterung verteilt sich auf alle Gesichter. Die Kollegen fassen sich an den Schultern und tanzen eine schwankende Polonaise durch den Flur.

Die Geschäfte gehen weiter. Doppelseitig, vergrößert, verkleinert, der Kopierer arbeitet, als hätte er drei Wochen Urlaub gehabt. “Braves Mädchen”, sagt Herr Dr. Berger und tätschelt ihn.

Das hätte er nicht tun sollen. Ein furchtbares Geräusch ertönt. So ein Knarren, ein metallisches Schaben, es riecht nach Gummi.

Die Mitarbeiter, die fröhlich Kopien schwenkend, eben in ihren Zimmern verschwinden wollen, erstarren mitten in der Bewegung. Sie sehen hilfesuchend die Auszubildende an. Die gibt ihre Kapitulation bekannt: “Kundendienst!”

Der kommt morgen.nach oben

© FRIDA 2005

<<< zurück zur neuesten FRIDA