Es muss fünfundzwanzig Jahre her sein, dass die Frauenbewegung die Innen-Schreibweise einführte, es gab erbitterte Streits darum und flammende Leitartikel. Es war die Zeit, da Frauen in Vorlesungen strickten und das sehr provokant fanden.

Ein paar ganz Schlaue unter ihnen hatten damals entdeckt, dass die stricdeutsche Sprache das weibliche Geschlecht untermüllte. Ein toller Befund, kreischten die Feministinnen: Die deutsche Sprache eine Herrensprache! Wieder ein Beweis, dass die Welt in männliche Täter und weibliche Opfer zerfiel. So machten sie sich auf, die Grammatik zu vergewaltigen, hängten jedem geschlechtsneutral gemeinten Hauptwort und seiner Mehrzahl ein SchwänzchenIn an. In allen deutschen Sätzen sollte fortan fußaufstampfend stehen: „Jawoll, wir sind auch gemeint!“, und die Männer würden es nie wieder vergessen.

Ich dachte, dieses antike, peinliche und auch noch hässliche Dogma sei inzwischen ausgestorben. Aber nein, es hat überlebt, wurzelt in Nischen wie Stadtverwaltungen. Im österreichischen Linz zum Beispiel wurden im Jahre 2004 die Radfahrer auf Verkehrsschildern in RadfahrerInnen umbenannt. Weiter blüht es in sozialen Einrichtungen, gedeiht in der EMMA und grünt natürlich auch im Internet. Dort lässt es den Rückschluss zu, dass die besuchte Website alternativ ist, politisch korrekter irgendwie.

Obwohl das „Innen“ als Stilblüte schon schlimm genug ist, kann es noch weiter verwurstet werden, wie man an der Überschrift dieses Textes sieht, die original aus dem Netz kopiert wurde. Wer genau hinguckt, scheitert schon am ersten Wort: „JournalistenInnen“. Und ganz hinten, bei den Intellektuellen, hat man offenbar auch nicht weiter gewusst. Gibt es tatsächlich nur männliche oder gar nur sächliche Intellektuelle? Oder ist die Endsilbe „elle“ schon weiblich genug? Dabei sähe „IntellektuelleInnen“ zur Abwechslung ganz schön aus. Ich wundere mich, dass noch keine auf die Idee gekommen ist, ein feministisches Rechtschreib-Korrekturprogramm für die Textverarbeitung zu entwerfen. Damit wären solche Fragen ein für allemal geklärt.

In das gesprochene Wort hat es diese schwärende Wunde der deutschen Sprache nie geschafft, nicht einmal Alice Schwarzer nimmt das SchwänzchenIn in den Mund. „Lobet den HerrnIn“, kann man da nur sagen. Doch das macht man besser hinter vorgehaltener Hand, denn die Empörung der feministischen Heiligenscheine folgt auf dem Fuße. Was mich noch interessieren würde: Wie schreiben die eigentlich „Gott“?

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Die Innen-Schreibweise

“JournalistenInnen, ReporterInnen und RedakteureInnen, LehrerInnen, SchriftstellerInnen, KünstlerInnen und Intellektuelle” (aus einer Website zitiert)

von Gabriele Bärtels

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