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Frida kostet nichts, aber das ist nicht wahr

Implanon
Eine informative Geschichte von Maria Fangerau

Endlich eine bequeme Verhütungsmethode oder wieder nur die Wahl zwischen zwei Übeln?

 

Heike drückt den Klingelknopf, wartet auf den Summer und tritt dann auf den violetten Teppich. Heike ist 38. Frauengesundheitszentren kennt sie noch aus den Achtzigern, aus dem Studium: Da waren es Selbsthilfegruppen in rosa Latzhosen. Doch heute betritt sie einen modernen Laden, die Beraterin erwartet sie bereits, auf dem Schild an ihrer Bluse steht `Hartmann´, sie trägt eine randlose Brille von unaufdringlicher Eleganz. Sie setzen sich in Korbstühle.

„Was können Sie mir zu Implanon sagen?“, kommt Heike gleich zur Sache.

„Blut und Schmerzen.“

„Wie bitte?“

„Ich meine die Nebenwirkungen. Das ist das, was heutzutage meist verschwiegen wird. Wenn die Befreiung der Frau gepriesen wird, verderben Schmierblutungen oder Scheidenentzündungen nur das Bild.“

Heike runzelt die Stirn. „Geht es auch etwas objektiver?“ Sie ist irritiert. War sie doch gekommen in der Hoffnung, die Lösung auf ihr ganz persönliches Problem zu finden: Verhütung leicht gemacht. Die Spirale kommt für sie nicht in Frage, für die Pille wird sie langsam zu alt. Zum Tage zählen fehlt ihr die Ausdauer, und auf bunte Kondome hat sie keine Lust mehr. Sie hatte von dem Hormonstäbchen gelesen, unter die Haut gelegt entbindet es einen drei Jahre lang von der unangenehmen Pflicht, über die Konsequenzen von Sex nachzudenken. Die Zeit, wo Frauen die Last der Verantwortung schwer auf ihren Schultern spürten, dürfte doch nun endlich vorbei sein. Sie sieht ihr Gegenüber abwartend an.

„Implanon ist ein Etonogestrel, ein Gelbkörperhormon, das, sobald es unter der Haut liegt, nach und nach frei gesetzt wird. Im Körper der Frau verhindert es den Eisprung, verringert die Gebärmutterschleimhaut und beeinflusst den Gebärmutterhalsschleim dahingehend, dass keine Spermien mehr durchdringen.“

Heike lehnt sich entspannt zurück. So hatte sie sich das vorgestellt, Sicherheit auf drei Ebenen, klug durchkonstruiert und absolut narrensicher. Sie nickt erfreut. „Wie komme ich da dran?“ Sie kann es gar nicht schnell genug haben.

„Ihre Frauenärztin muss es unter der Haut implantieren. Sie bekommen eine Spritze. Dann wird mit einem Skalpell die Haut aufgeschnitten und das Stäbchen hinein geschoben. Dann muss es wieder verschlossen werden, mit Naht oder Klebestrips.“

„Eine Operation…“ Heike ist blass geworden.

„Nein“, winkt die Beraterin ab, „aber etwas umständlich ist es schon. Allerdings nur einmal alle drei Jahre.“

Heike holt tief Luft. Reibt sich mit der Hand über die Stirn. Gut, dass wir gesprochen haben denkt sie gerade und will aufstehen, da fährt Frau Hartmann fort.

„Einige Frauen nehmen zehn Kilo zu. Selten allerdings. Aber Akne gibt es öfters, ungefähr bei zwanzig Prozent. Bei manchen wird die Haut nach sechs Wochen wieder gut, andere dagegen… Und das mit dem Blut. Also die Blutungen können total unregelmäßig werden. Manche haben dauernd Zwischenblutungen, andere drei Wochen lang ihre Tage. Bei einem Viertel der Frauen bleibt die Menstruation völlig aus.“

„Ist doch Klasse!“ Heike hat sich wieder gefangen. Nie wieder Tampons, Binden und die Angst, sich zu beflecken. „Noch andere Vorteile?“

„Besonders für Frauen geeignet, die keine Östrogene vertragen oder aus medizinischen Gründen vermeiden müssen. Für Raucherinnen, Übergewichtige und Frauen über fünfunddreißig.“ Frau Hartmann gibt sich redlich Mühe, objektiv zu sein. Heike weiß das zu schätzen. Sie lächelt zufrieden.

„Am schlimmsten trifft es die Frauen, die Depressionen bekommen, andere leiden nur unter Libidoverlust.“ Heike zuckt zusammen. Sie will doch ihr Leben genießen!

„Bis zu dreißig Prozent lassen sich das Implantat vorzeitig wieder entfernen.“ Frau Hartmann ist hartnäckig „ Noch Fragen?“

Das konnte doch nicht das Ende ihrer Hoffnungen sein, denkt Heike grimmig.

„Doch diejenigen, die Implanon vertragen, sind voll des Lobes und aller Sorgen ledig.“ Frau Hartmann zwinkert ihr verschwörerisch zu.

„Was also empfehlen Sie mir?“ fragt Heike und reckt trotzig das Kinn.

„Vielleicht sollten Sie zunächst eine Pille mit ähnlichem Wirkstoff ausprobieren. Cerazette, eine Minipille.“

„Pille?“ Enttäuscht, fast widerwillig kommt es über Heikes Lippen.

„Nach drei Monaten zeigt sich, ob Sie den Wirkstoff vertragen, dann können Sie im besten Fall immer noch auf Implanon umsteigen. Das Risiko ist dann um einiges geringer.“

Frau Hartmann erhebt sich und reicht ihr Anteil nehmend die Hand. Ihr Händedruck sagt: Wir haben es nicht leicht, wir Frauen.

Heike drückt matt zurück. Ja, denkt sie verzweifelt, da stehen wir vor der evolutionären Wahl: Fortpflanzung oder nicht, und können uns über die Technik nicht klar werden. Frustriert verlässt sie den lila Läufer und tritt auf die Straße hinaus. Jetzt braucht sie erstmal einen Kaffee. Oder doch lieber ein Bier? Sie seufzt. Wer die Wahl hat, hat die Qual.

 

Mehr Information über Implanon bei diesen Internetadressen.

 

 

Maria Fangerau ist Fachärztin für Frauenheilkunde, Ärztin für Naturheilverfahren und Autorin. Prämierter Text beim Literaturpreis des Freien Deutschen Autorenverbandes 2005 ihr erster Roman “Göttin in Weiß” erscheint im Herbst 2005 im Iatros-Verlag.nach oben

 

© FRIDA 2005

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