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Huch, eine Ente
Der rettende Einsatz
Im Frühjahr haben sie am See im Stadtpark herumgebalzt und schon sind Küken aus den Eiern gekrochen. Nun laufen sie wie ein gepunktetes Schnürchen hinter der Ente her, die den Hals wachsam ausgestreckt hat. Der Erpel hat sie längst verlassen.
Durch das Ufergras trippeln sie hoch, eine piepsende Schlange, erreichen einen Bürgersteig, rutschen eine Bordsteinkante herunter, hocken unter einer Stoßstange, watscheln über den blanken Asphalt, bis ein Auto bremst und die Küken mit den Stummelflügeln hektisch umeinandersegeln. Die Entenmutter hält sich würdevoll, sammelt ihre Fusselfeder-Truppe wieder ein und rettet sich auf den gegenüberliegenden Bürgersteig.
Aber wir sind in der Großstadt – sie kann nicht wissen, dass ihr Lebensraum am Parkrand endet. Sie ahnt auch nicht, wie selten sie hier ist. Sofort ist eine Frau stehengeblieben, das Gesicht verzückt, da hält schon die Nächste, sie schiebt einen Kinderwagen, „Ach Gott!“, seufzt sie mit schiefgelegtem Hals. Und eine Minute später sind es ihrer zehn - zwei Junge, drei Mittelalte, fünf Ältere. Jede hatte ein anderes Ziel. Alle haben es vergessen.
Wie kriegt man nun die Entenmama wieder auf die richtige Straßenseite und hinunter in den Park zum See? Die Retterinnen gruppieren sich im Halbkreis hinter der fußhohen Schar und schneiden ihnen den Weg ab. Die Entenmutter reckt den Hals, den Schnabel und schaut beunruhigt auf die vielen Beine um sich, sagt aber nichts. Zögernd tritt sie den Rückzug an, umwimmelt von ihrer Brut. Eine der Frauen läuft in gebührendem Abstand vor, auf die Straße und hält mit unsicher ausgebreiteten Armen einen Lieferwagen auf. Der Fahrer tippt sich an die Stirn, als er die Ente über die Straße streben sieht, in ihrem Gefolge acht braune Küken und neun Großstadtfrauen.

Die Retterinnen stehen glücklich auf dem Rasen, der sich zum See herunterneigt. Sie könnten gehen, aber sie bleiben. „Ist sie nicht die Ruhe selbst?“ „Wie sie die Kleinen im Griff hat!“ „So süß und so tapfer!“ Damit alles seine Ordnung hat, flankieren sie die Geschlechtsgenossin bis zum Ufer, geben keine Ruhe, bis die Ente ins Wasser rutscht und mit einem Quak ihre Kinder auffordert, ihr zu folgen. Von den Damen entfernt sie sich rasch. 
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