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„In diesem Haus hat es noch nie eine Maus gegeben, schon gar nicht im fünften Stock!“ Der Hausmeister schaut mich an, als ob ich getrunken hätte.
Nein, nein, mein Herr, ich irre nicht. Gestern Abend, als ich auf dem Teppich vor dem Fernseher hockte, da sah ich aus dem Augenwinkel einen grauen Umriss an der Wand entlang gleiten. Es war die Silhouette einer Maus. Sie verschwand unter dem Bücherregal.
Eine halbe Minute saß ich versteinert, dann rutschte ich langsam, aber rückwärts auf das Sofa. Ich war allein, es war schon spät, was war zu tun? Und da sah ich sie doch tatsächlich ein zweites Mal, den gleichen Weg zurück einschlagend, längs der Fußleiste trippeln, UNTER DAS SOFA. Mein Herz schlug wild, gewiss lauerte sie zwischen den Kissen, würde herausfahren, sobald ich einen Fuß auf den Boden setzte, ihn abreißen mit ihren psychedelisch vergrößerten Mausezähnen. Irgendwann fasste ich Mut, stand auf und ging laut und deutlich ins Bett. Lange schlief ich nicht ein, horchte – irgendwo krabbelte sie, zwischen m e i n e n Sachen und wer weiß, vielleicht konnte sie auch senkrechte Bettpfosten überwinden.
Am nächsten Morgen wähnte ich sie hinter jeder Schranktür, in jedem Schuh, zwischen der Wäsche. Der Hausmeister stellte zwei Fallen auf, und ich steuerte den Käse bei. „Was, wenn sie zuschnappt?“ „Kann sein, dass die Maus sich dann noch weiter schleppt, bis sie stirbt“, mutmaßte er. „Mit der Falle? Durch meine Küche? Was mache ich dann?“ Ihm war es egal.
Ich stopfte alles Essbare in den Kühlschrank und verbreitete die Neuigkeit in meinem Freundeskreis. Weil das alles umweltbewusste Großstädter sind, fragten sie mich entsetzt, warum ich keine Lebendfalle benutzte. Ich sagte: „Ich bin vom Land, da macht man keine Fisematenten.“ Als ich ins Bett ging, sagte ich der Maus Gute Nacht, aber sie antwortete nicht.
Zwei Tage lang streifte ich nach dem Aufwachen die Fallen mit einem hastigen Seitenblick. Aus einer war schließlich der Käse verschwunden. Die Frau des Hausmeisters schüttelte den Kopf: „Sie brauchen Speck!“ Sie schnitt mir ein kleines Stück ab.
Ich bin wohl doch nicht vom Land, sonst hätte ich genauer hingesehen, als ich die Maus am folgenden Morgen in der Falle fand. Sie lag auf dem Rücken, erstarrt, während sie sich in der Luft festkrallte. Ich wollte sie samt Falle in eine Plastiktüte stopfen, aber als ich das Holz berührte, zitterte ihr Schwanz, oder meine Augen, jedenfalls erlitt ich einen Herzinfarkt, sprang auf, raste fünf Treppen herunter und flehte den Hausmeister auf Knien an, die Leiche aus meiner Küche zu entfernen. Er steckte sie natürlich nicht in die Plastiktüte, sondern packte sie am Schwanz und ließ sie grinsend vor meinen Augen baumeln.
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