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Reportage

Meditation in ThailandAlle gehen ins Kloster. Ich haue ab.

Im Tod sind wir dann alle wieder faltenfreiWas kostet Schönheit?

Über die ersten Tage eines Führungskompetenz-LehrgangesFrauen in die Verantwortung

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Renate Otte, 56,  guckt sich im Osten nach den Frauen um.Hausfrau übernimmt Ost-Betrieb

Frau, Mutter, ProstituierteSybille alias Petra

Ein Gespräch von  Frau zu FrauPumps, Größe 45

Eine hochbegabte Krankenschwester erfüllt sich einen WunschAschenputtel und der Prince of Egypt

Perlen des Alltags

Über den Verlust eines weiblichen AttributesIch kann bohren

politisch nicht korrektMonolog einer Autobahnfahrerin (115 PS)

Das große DramaHuch, eine Maus

Der rettende EinsatzHuch, eine Ente

Macken auf der Seele

Ein freiberufliches Opfer gibt AuskunftStrategie: Das perfekte Opfer

Ich war eine DiebinAussage einer Kleptomanin

Eine schreckliche GeschichteLange Finger

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Auto zerkloppen gegen die WutAlles Schrott

Wenn eine Frau Striptease -Tanzen lernt, ist das nicht nur für Männer ein VergnügenStriptease

Erotische Fotografie am eigenen LeibSelbstauslöser

Als Blumenverkäuferin auf dem WochenmarktBlumen, schöne Bluumen!

Männer

Männer sprechen über AbtreibungMeine ungeborenen Kinder

Männer reden über Ängste beim SexDas tödliche Schweigen der Frauen

Meine magersüchtige Schwester

 

 

Als Du ins Zimmer kommst, auf mich zugehen willst, mich umarmen, entscheide ich im Bruchteil einer Sekunde, dass ich lieber zurücktrete. Du erstarrst mitten in der Bewegung.

Es ist Dein Anblick. Dein eisgraues Haar, dabei bist Du doch erst Ende Dreißig. Deine Gesichtszüge sind zusammengezurrt, Dein Körper ein verdrahtetes Gestell, Deine Schultern so fest hochgezogen, als könntest Du sie nie wieder fallen lassen. Alle Adern auf den Armen treten hervor, und der Rock rutscht Dir fast von den Hüften - über ein mit Haut überzogenes Gestell, darunter nichts weiches, nur ein Bündel Knochen. Dein enges T-Shirt, eine Kindergröße, darunter keine Brust, keine Hügel, nicht einmal Häufchen, nichts. Deine Stimme, als Du mich begrüßt, dünn, balancierend, schwankend, hoch. Eine alte Jungfer. Die fromme Helene. Du siehst aus, als betrüge Deine Körpertemperatur nur 34 Grad. Keine Frau, ein sächliches Wesen.

Begegnung mit einem ExhibitionistenExhibition

Familienbande

AbschiedDas Sterben meiner Mutter

Wild auf einen JointHeiligabend in einer fiktiven Familie

Ungeschriebener BriefMeine magersüchtige Schwester

Single-Zeitalter

Gebrauchsanleitung für KontaktanzeigenDas mühsame Geschäft der Partnersuche

EssayÜber die Einsamkeit in einer großen Stadt

LebenshilfeVertrag zur Regelung der Austausches sexueller Handlungen

Kurzgeschichte

KurzgeschichteDie Stadt leer

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Alle Bilder (außer Bohrmaschine und Schrottplatz) und alle Texte: copyright Gabriele Bärtels 2006

An keine einzige Minute unserer Kindertage kann ich mich erinnern, in der wir Spaß miteinander gehabt hätten, an viele aber, in denen Mordlust aufblitzte, in Deinen und meinen Augen. Du hast alles besser gewusst und auch für alle anderen die Lösungen bestimmt, hast schon in früher Jugend mit einem esoterischen Vokabular jongliert, als hättest Du die Weisheit und die Güte natürlich auch. Du warst die brave, fleißige, überangepasste, sportliche, die mit den guten Noten. Ich habe Dir misstraut. Ich misstraue Dir heute noch. Denn unter all der Heiligkeit wacht eine unversöhnliche Starre und der Drang,  zu manipulieren, zu beherrschen, zu kontrollieren. Seit mehr als zwanzig Jahren leben wir nicht mehr in derselben Stadt. Ich kenne Dich gar nicht. Habe ich Dich je gekannt?

Jetzt sehe Dir zu, wie Du morgens in den Wald rennst, es ist kühl und feucht. Leise kommst Du wieder, leise setzt Du Dich an den Frühstückstisch, andächtig verzehrst Du ein halbes Brötchen, die halbe Melone hebst Du Dir für später auf, trinkst Tee aus dem Bioladen, sendest jedem einen bitterbösen Blick, der in Deiner Nähe eine Zigarette anzündet, beziehst schweigend das Bett für Deinen Bruder, weil ich mich geweigert habe, das zu tun, säuselst mit Deiner Betschwesterstimme Deine kleine Nichte voll, streichst ihr über das Haar. Sie duckt sich weg. Du hockst auf dem Sofa wie ein Drahtbügel. Trägst Steine mit Dir herum, die Mächte haben sollen, Quarz, Kristall, was weiß ich. Dein bisschen Gewicht nimmt kaum Raum ein und dennoch fühle ich mich in Deiner Nähe wie in unsichtbaren Beton gegossen. Unfrei, gefesselt. Wahrscheinlich wirst Du an diesem Tag noch zweimal in den Wald verschwinden. Leise, unauffällig, damit nur ja niemand weiss, wieviele Kalorien Du dort verbrennst im Kampf gegen Dich selber.

Was weiss ich von Dir? Nichts. Du warst zehn Jahre verheiratet. Nun lebst Du allein. Sieht keiner Deiner Freunde oder Arbeitskollegen Deinen hochleistungstrainierten, ausgezehrten, hungernden Körper, der noch gerade mal 48 Kilo wiegt? Du wirst lange brauchen, um zu genesen. "Ich gefalle mir so, wie ich bin", antwortest Du auf eine Bemerkung. Solange Du doch glaubst, nur nach dem Besten zu streben, wird Dir niemand helfen können.

Du sitzt so brav. Immer hochgeschlossen, die Knie hübsch beieinander. Du rauchst und trinkst nicht, lachst niemals dreckig. Bist bestimmt perfekt in Deinem Job und findest keine Ruhe, bevor nicht sämtliche Flecken auf Deiner Seele, Deiner Hose und den Psychen der Menschen in Deiner Umgebung entfernt sind. "Dreck ist in der Welt", hat eine alte Dame einmal zu mir gesagt. Damit kannst Du Dich nicht abfinden.

Ich sehe Dich tanzen. Es scheint ein ernstes Geschäft zu sein. Du wirfst die Arme hoch wie ein GoGoGirl, zuckst mit den Hüften wie eine Bauchtänzerin, betrachtest zufrieden Dein Spiegelbildgerippe in der Fensterscheibe, Du tanzt allein mit Dir und Deinem geschundenen Körper. Ohne Gnade. Ohne Pause. Ohne Sinnlichkeit drehst Du Dich um Dich selbst.

Ich bin Deine Schwester, und ich kann Dir nicht helfen. Jedes Wort, das ich zu Deinem Zustand sage, legst Du mir als Eingriff in Deine Persönlichkeitsrechte aus. Und wahrscheinlich hast Du sogar Recht. Denn ich kann keinen Anflug von Liebe in mir entdecken, nur Entsetzen und Abwehr. Ich weiche zurück, weil ich in Deinen Armen nicht gefangen sein möchte.

Das Einzige, das Dir aus der Zeit, als Du noch spielen konntest, geblieben ist, sind Deine schönen Augen. Manchmal leuchten sie auf. Dann möchte ich zurücklächeln. Aber ich traue Dir nicht.nach oben

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