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Die Entenlotsen
Brandaktuell! Beinahe life! 7 Küken und eine Ente wurden sicher an den See geleitet.
von Gabriele Bärtels
In der Hecke unseres Hinterhofs hat eine Ente ihr Nest gebaut, und lange bekam man davon nichts mit. Nur Hausmeisterin und Hausmeister wussten es, weil es jedes Jahr dasselbe ist. Irgendwann merkten auch die anderen Mieter, dass es irgendwo piepste, wenn sie den Müll rausbrachten, aber dass die Ente direkt neben ihren Füßen brütete, ahnten sie nicht.
Heute früh um sieben klingelte der Hausmeister bei mir Sturm: “Die Küken haben in der Pfütze gebadet. Wird Zeit, dass wir sie zum Wasser geleiten.” Man muss dazu wissen, dass unser Haus, nur durch eine Straße getrennt, an einem kleinen Stadtsee liegt.
Ich rannte runter, wie ich war, traf im Hof auf andere Mieter, die auch nur Schlappen trugen, Schlaf im Auge und ungekämmtes Haar. Der Hausmeister und die Hausmeisterin waren schon mit Schrubbern bewaffnet.
Es ging darum, die Entenbrut sicher zum See zu geleiten. Allein hätten sie das schon deswegen nicht geschafft, weil die Toreinfahrt meistens abgeschlossen ist. Ich lauschte, aber von der Ente hörte man keinen Quak.
Der Hausmeister kniete nieder und stocherte in der Hecke herum, bis sich das Stillschweigen in aufgeregtes Geschnatter verwandelte, und endlich kam die bedrängte Mutter Ente heraus, gefolgt von sieben piepsenden Puscheln, die sich wie eine winzige Wolke um sie scharten.
Der Hausmeister und die Hausmeisterin versperrten mit ihren Schrubbern alle Auswege, nur die Toreinfahrt stand offen, und so watschelte die Ente gleich los, ihre Brut dicht hinter sich, an den Mülleimern vorbei, durch das Tor, auf den Bürgersteig. Mieter und Hausmeister stellten sich quer auf die Straße, so dass die Autos bremsen mussten, während die Entenfamilie Vorfahrt hatte.
Ich nehme an, Mutter Ente kannte sich gut aus. Jedenfalls steuerte sie direkt auf das Parktor zu, hüpfte ein paar Stufen hinunter, hinter ihr purzelten ihre Kinder und überschlugen sich. Sie tauchte in die Büsche, und strebte durch das hohe Gras. Wir liefen außen herum und erwarteten sie auf dem Weg, wo schon Anwohner im Halbschlaf joggten.
Auch sie mussten anhalten, um der Ente den Vortritt zu lassen. Ein Spaziergänger mit Hund wurde verwarnt, das Tier ja nicht von der Leine zu lassen.
So rieselte das Federvieh im Gänsemarsch weiter durch die abfallende Wiese, bis es das rettende Ufer erreichte. Wir wunderten uns, dass die Küken sofort schwimmen konnten.
Sie sind sehr weit hinausgepaddelt. Wahrscheinlich waren sie uns für unser Geleit absolut nicht dankbar. Aber wir standen in Hausschuhen im feuchten Gras, beglückwünschten uns gegenseitig, und gingen zufrieden heim, um endlich den ersten Kaffee aufzusetzen.
Auch diese kleine Episode wird in die Mietshausgeschichte eingehen, wie in den Jahren davor und denen danach.
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