Eizellen-Lifting Manch ältere Frau, die noch schnell ein Kind kriegen möchte, wünscht sich frisierte Eizellen. Da gibt es guten Rat ... Eine Frauenärztin plaudert aus der Praxis
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(wenn nicht, dann nicht.)
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von Maria Fangerau
Der Frühling pulst in den hellgrünen Blättern, und die Frauen bereiten sich auf die hüllenloseren Tage vor. Da wird abgespeckt und schwitzend gejoggt, Cellulite-Creme großzügig über den Körper verteilt und sich beim ersten Sonnenstrahl auf die Solarium-Liege geknallt. Die eine lässt sich wieder ein wenig Botox unter die vorgebräunte Stirn spritzen und die andere überprüft ihren Kontostand, ob er nicht vielleicht doch noch ein Facelifting oder einen Brustaufbau hergibt. Alles wird getan, der Körper umsichtig restauriert.
Von diesen Damen, die meine Praxis besuchen, werde ich doch glatt gefragt, ob es nicht auch ein Lifting für die Eizellen gäbe.
Die Frage ist gar nicht so dumm, wie sie klingt, es kommt darauf an, wie alt die Dame ist, die dies wissen will. Sie ist 45 und wünscht sich noch ein Kind. Was uns freut. Denn wollen wir das nicht alle, Kinder in Massen, die unsere Rente bezahlen und die neu geschaffenen Krippenplätze ausfüllen, damit wir dennoch arbeiten können, was und wo wir wollen, am allerbesten aber doch als Kinder anderer Leute. Also trifft die Dame zunächst auf positive Gestimmtheit, denn gesellschaftlich ist späte Mutterschaft längst akzeptiert, wie eine BRIGITTE-Umfrage zeigte, bei der 82 % der Leserinnen antwortete, über 40-Jährige sollten doch Kinder kriegen, soviel sie wollen, warum eigentlich nicht?
Das Problem, auf welches die Frage anspielt, ist nur, dass die Eizellen einer 45 Jahre alten Frau auch schon 45 Lenze auf dem Buckel haben. Sie werden in den emryonalen Eierstöcken bereits im Mutterleib angelegt und sitzen so lange träge zwischen den serösen Häuten, bis endlich ihre Zeit gekommen ist. Und sei es nach 45 Jahren. Ein Großteil ihrer Genossinnen ist längst abgestorben, nun klopfen die Hormone endlich an, die müden Knochen werden geschüttelt, ein tiefer Seufzer, ein konzentrierter Blick und dann wird gesprungen – in die Bauchhöhle einer mittelalterlichen Frau mit Kinderwunsch.
Doch die Alterszipperlein solch ambitionierter Eizellen sind nicht zu unterschätzen. Down Syndrom heißt das Schreckgespenst, hinter dem sich das kleine Ei gerne verstecken würde. Und wenn bei der mühsamen Prozedur der Reifeteilung, die noch während einer gleichzeitigen Reise den Eileiter hinunter vor sich gehen soll (welch Zumutung!) doch etwas schief geht, dann nimmt es eben einfach den roten Fahrstuhl und rauscht als Fehlgeburt getarnt nach unten ab.
Soviel zur Problematik altersschwacher Eizellen.
Aber da ist immer noch der Frühling, die Schmetterlinge und die Liebe, und der erwartungsvolle Blick der 45-Jährigen, die doch allzu gerne eine Baby im Arm hätte, ein eigenes womöglich, nicht adoptiert und nicht im Reagenzglas geschüttelt oder gerührt.
Tja, brumme ich, da gebe es nicht viel zu tun, ein wenig Geduld vielleicht und regelmäßiges Training, aber in der Regel dauere es 1,5 Jahre länger als bei einer 20-Jährigen, bis es zu einer Schwangerschaft komme.
Und Vitaminpillen, Folsäure und Zink? Ich nicke zu diesen Zauberformeln moderner Nahrungsmittelergänzung, die Gesundheit und langes Leben, Kinderreichtum und Krebsfreiheit suggerieren wollen, nur müde mit dem Kopf.
Mens sana in corpore sano heißt es so schön altklug und lateinisch, und ich würde es am liebsten mit „man ist so jung wie man sich fühlt“, übersetzen, bezogen natürlich wieder auf jene kinderliebe 45-Jährige. So wie es psychisch bedingte Eisprünge, aber auch Fehlgeburten gibt, so ist auch die Empfängnis unter anderem von der geistigen Einstellung abhängig.
Will sagen, auch eine 45 Jahre alte Zelle lässt sich vielleicht nach jahrzehntelangem Singledasein davon überzeugen, sich von einem Spermium durchbohren und sich gemeinsam mit ihm in einer Gebärmutter niederzulassen. Madonnas Ei hat`s geschafft und das von der englischen Premierministergattin, sowie die diverser Hollywoodstars auch. Das beste Lifting für die Zellen ist also der Spaß am Leben, die Freude über den Frühling, erotisches Geflüster und vor allem der Mut zum Risiko. Je weniger Sorgen du dir machst, gute Frau, desto besser. Und ihr, liebe Eizellen, lebt wild und gefährlich!
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