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Normalerweise läuft es umgekehrt: Besonders zu Weihnachten übernehmen wir gern Patenschaften für Kinder aus Afrika und fühlen uns richtig gut dabei.
Die Berliner Künstlerin Gudrun F. Widlok hat den Spieß umgedreht: Sie ist nach Ghana und Burkina Faso gereist und zeigte dort in einer Ausstellung Fotos einsamer Deutscher, die sich bei ihr angemeldet hatten.
Zuerst lachten die Leute, teils schadenfroh, teils herzlich amüsiert, aber dann erklärten sich Dutzende von afrikanischen Familien bereit, eine Patenschaft zu übernehmen. Mit Hilfe der Fotos und der Versicherung, dass die Alleinstehenden im hohen Norden finanziell unabhängig waren, wählten sie ihr “neues Familienmitglied” aus. Wie sich die Beziehungen nach der formlosen Adoption gestalteten, blieb ihnen selbst überlassen.
Was ursprünglich nur ein begrenztes Kunstprojekt sein sollte, weitete sich aus, denn die Idee ist einfach zu bestechend: Auf einmal erreichen Beziehungen zwischen Afrika und Europa Augenhöhe. Es geht um andere Bedürftigkeiten als Geld: Die große Dürre der Europäer besteht in mangelnder Geborgenheit und familiärer Wärme.
Rosemary, 28, aus London schreibt:
ich denke, ich müsste es (mein Leben) anders machen. ich weiß aber nicht wie, oder vielmehr, was falsch ist. also lass ich mich adoptieren. ein sicheres bett! leute, die eine familie sind und dann plötzlich sind sie meine familie. ich bin erleichtert und glücklich. ich muss sie auch gar nicht ständig treffen, sie sind einfach da. fertig. sie fragen nicht, ob sie alles richtig machen, ob ihr leben einen sinn hat. die frage existiert überhaupt nicht. sie machen einfach. sie haben einen sinn. alleine dieses mir manchmal ins gedächtnis zu rufen, ist nicht mehr wegzudenken. ich brauche sie. sie brauchen mich nicht, doch daran denken sie nicht einmal. ich bin das patenkind und fertig. keine langen für- und wieder-diskussionen. wenn ich es nicht mehr aushalte, fahre ich hin.
Gudrun F. Widlok wollte das Projekt eigentlich längst beenden, doch die Nachfrage nestwärmesuchender Deutscher ist so groß, dass sie das Adopted-Büro nicht einfach schließen kann.
Möchten Sie auch eine afrikanische Familie? Unter www.adopted.de gelangen Sie zum Adopted-Büro.
Fridos bissiger Kommentar: Man fragt sich nur, ob diese Menschen ewig Kinder bleiben wollen, oder weshalb sie sonst nicht eigenhändig eine Familie gründen. An “den Bedingungen” kann es nicht liegen, denn die sind in Afrika bestimmt schlechter.
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