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Unser Körper schleppt nicht etwa eine mehr oder weniger gesunde Seele mit sich herum, von der er total abhängig ist, sondern er kann auch selbst ausgleichend auf die psychische Gesundheit einwirken. Der Coach und Körpertherapeut Ulrich Sollmann zeigt, wie man das Wissen seines Körpers erforscht.
Jeder Geist lebt in seinem ihm typischen Körper und auch umgekehrt. Unverwechselbar spielen die beiden Partner ihre besondere Melodie. Begreift man das spannungsreiche Zusammenspiel von Körper-Erleben und Fühlen, von Körper-Ausdruck und Handeln, so eröffnet sich einem die Tiefendimension der eigenen Lebensgeschichte. Diese bildet den Resonanzboden der eigenen Persönlichkeit, trägt das Lebensgefühl und verrät das Geheimnis, wie persönlichkeitstypische Potentiale gefördert werden können.
Die Bioenergetik ist eine der Therapie-Formen, die mit körperlichen Spannungsmustern und persönlichen Abwehrhaltungen arbeitet. Sie weckt dabei die Impulsivität des persönlichen Ausdrucks sowie die Anmut in der Bewegung und eröffnet neue Lebensmöglichkeiten. Ihre Wurzeln liegen in der Psychotherapie und den Humanwissenschaften. Ihre Körper-Arbeit fußt auf den neuesten Erkenntnissen von Hirnphysiologie und Psychobiologie. Vibrierendes Leben ist nach Dr. Alexander Lowen, dem Begründer der Bioenergetik, ein energetischer Prozeß, ein Vorgang von Erregung, Anspannung, Aufladung, Entladung und Entspannung.
Der Mensch entflieht dem Schmerz und strebt nach Lust. Befindet man sich in einer schmerzlichen Lage, zieht man sich aber innerlich zurück. Dies geschieht durch die Verspannung der Muskulatur und die Einschränkung der Atmung. Wenn eine Situation jedoch Lust verspricht und gleichzeitig Schmerz androht, empfindet man Angst. Dauert ein solcher (traumatisierender) Zustand, wie es in der Kindheit der Fall sein kann, länger an, wird die Verspannung chronisch und unbewusst.
Stellen Sie sich den kleinen Jungen ehrgeiziger Eltern vor. Er sollte früher gehen lernen, als Kinder es üblicherweise können. ("Unser Junge kann aber schon mit 10 Monaten laufen"). Er kann dies nur tun, wenn er seine Schultern hoch hält und weniger, also kontrolliert, atmet. So passt sich das Kind den elterlichen Ansprüchen an. Dadurch wird es seiner Freude beraubt, so zu stehen, so zu krabbeln oder so hinzufallen, wie es das selbst will. Seine chronische Schulter-Spannung und die reduzierte Atmung schwächen aber auf Dauer den Körper. Die Energie nimmt ab. Ein starker Wille, nämlich stehen zu bleiben, koste es, was es wolle, übertönt das Erleben von unterschwelliger Kraft- und Hilflosigkeit.
Im Bemühen, den Eltern zu gefallen, verliert es den emotionalen Kontakt zu sich selbst und zum eigenen Körper. Schließlich bekommt es ein schlechtes Gewissen, wenn es seinen eigenen Empfindungen gegenüber ehrlich sein will.
Später geht er dann mit leicht angehobenen Schultern und einem festen Brustkorb wie ein Mini-Rambo durchs Leben. Er ängstigt, ohne es vielleicht zu wollen, andere Menschen. Innerlich unruhig, treibt es ihn von einer Beziehung in die nächste. Sucht er die Liebe, spürt er dabei nicht die unbewusste Angst, sich bei einer Frau emotional fallen zu lassen
"Keine Worte sind so klar wie die Sprache des Körperausdrucks, wenn man erst einmal gelernt hat, sie zu verstehen," sagt Alexander Lowen. Er hält die Aufteilung des Menschen in Körper und Geist für unzulässig. Sein Anliegen geht noch weiter. Er stellt die traditionelle Sichtweise auf den Kopf: Nicht der Geist kontrolliert den Körper, sondern der Körper informiert den Geist!
Unser Körper ist mit einem tiefen Wissen ausgestattet. Es zu erfühlen, sich ihm anzuvertrauen und seinem Rat zu glauben, weckt ungeahnte Energien, Vitalität und Lebensfreude. Indem uns dieses Wissen unseren ursprünglichen Bedürfnissen näherbringt, schärft es außerdem unseren Blick für die uns umgebende Wirklichkeit und der Realisierung dessen, was wir uns allein oder gemeinsam mit einem Partner wünschen.
Hört man auf diese Weisheit, so mischt man das Kartenspiel von persönlichen Stärken und Schwächen, von Talenten und blockierenden Verspannungen neu. Die Verbesserung der Körperkompetenz ist eine essentielle Nahrung für die eigene mentale Kompetenz und das persönliche Wohlbefinden.
Die im Körper verborgene tiefe Weisheit zu entdecken ist nicht schwierig. Oft braucht man hierfür keine spezielle Psychotherapie, keine Anleitung durch einen Trainer. Oft ist es gerade sinnvoll, bewusst auf Ratschläge eines Trainers zu verzichten, geht es doch bei den bioenergetischen Übungen gerade um Sie, um Ihr persönliches Erleben und Ihre Fähigkeit, sich auf Ihren Körper, sein Gefühl wieder verlassen zu können.
Bioenergetische Leitlinien
In der Bioenergetik gibt es spezifische Übungen (Sollmann, Ulrich „Management by Körper“, Reinbeck 1999). Sie können diese Übungen alleine zu Hause mache, aber auch in einer bioenergetischen Übungsgruppe. Darüber hinaus haben Sport und Gymnastik Leitlinien für die Arbeit mit dem Körper entwickelt. Sie können also Ihre vertrauten Übungen machen, halt nur "etwas anders".
EmpfindungenAchten Sie während der Übungen auf Ihre körperlichen Empfindungen wie Anspannung, Kälte, Wärme, Kribbeln, Vibrieren, Zittern usw., ohne nach den Ursachen zu fragen. Stellen Sie diese Empfindungen nicht ab. Lernen Sie, auf die Selbstregulation Ihres Körpers zu vertrauen. AtmungAchten Sie auf Ihre persönliche Atmung. Atmen Sie nicht anders, als Sie es tun oder nach vermeintlich "richtigen" Atemmustern. Spüren Sie die Atembewegung im ganzen Körper. StimmeAtmen Sie mit geöffnetem Mund und hören Sie auf die Töne, die Atemgeräusche. Fühlen Sie Ihre Atmung. ErlebenAchten Sie auf Ihre Gefühle, Ihre Gedanken, die inneren Bilder. Assoziieren Sie, ohne nach Ursachen zu forschen. Achten Sie darauf, was im Körper passiert, wenn diese Gefühle, Gedanken usw. auftauchen. Anspannung/BelastungBei Belastung oder Verspannung während der Übungen können Sie den verspannten Bereich zunehmend mehr anspannen. Wenn die Anspannung nicht mehr gesteigert oder gehalten werden kann, lässt der Muskel von selbst los. Die jetzt auftauchende Entspannung ist tief, vitalisierend, organismisch und oft voller Gefühl. SchmerzBleiben Sie bei auftauchenden Schmerzen (vorausgesetzt, Sie sind körperlich gesund!) ein bis drei Atemzüge lang an der Schmerzgrenze, ohne sie zu überschreiten und lassen Sie dann innerlich wieder los. Spüren Sie, was dann körperlich und emotional geschieht. ZeitEs gibt immer einen aktiven und passiven Übungsteil. Letzterer ist beinahe am wichtigsten. Spüren Sie also nach jeder Übung nach, so dass sich Ihr Inneres durch die zuvor geweckten Impulse körperlich und mental neu strukturieren kann. GesprächSprechen Sie mit einem Freund oder Partner über Ihren Körper und Ihr Erleben. Wenn niemand da ist, machen Sie sich Aufzeichnungen oder führen Sie Tagebuch.
Übungsgruppen werden zum Beispiel von Volkshochschulen angeboten. Haben Sie spezifische Fragen, so finden Sie unter www.dvba.de Adressen von Therapeuten vor Ort. Sie können mich aber auch selbst ansprechen.

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