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Frauenbild, was nun?

In den Medien herrscht sorgloser Fun-Feminismus, die Realität dagegen ist so reaktionär wie schon lange nicht mehr.

Kommentar von Simone Meier
Illustration: Regina Heinlein

 

Als Frau, die bei einer Zeitung arbeitet, könnte man sich alle Tage ganz mit Frausein beschäftigen. Im Stundentakt trudeln immer neue Zeitvertreibungsprodukte von Frauen für Frauen auf der Redaktion ein. Verlage schicken ihre Frauenbücher mit den immer gleichen Inhaltszusammenfassungen auf dem Umschlag: «Polly und Chloë sind jung, schön, smart, vom Leben verwöhnt und – Single. Wem gelingt es, das Herz der Millionenerbinnen zu erobern? Und hat er auch noch Geld?» Oder die Einladungen zu lustigen Liederabenden von zwei, drei oder vier Frauen, wo die wenigen anwesenden Männer in der Pause mit Worten wie «See you later, inseminator!», also «Seh dich später, Besamer!», verabschiedet werden, dass einem einfach alle Haare zu Berge stehen müssen vor so viel greisem Altfeminismus.
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Oder die ernsthafte Variante des Gleichen von akademischer Seite, Programme zu Studiengängen mit Titeln wie «Advanced Master in Gender Studies», wo man sich belustigt fragt, wieso noch niemand auf die Idee gekommen ist, die (zu welchem Zweck genau?) zu erreichenden akademischen Titel politisch korrekt in «Advanced Mistress and Master ...» umzutaufen. Es gibt die immer neuen Hochglanzmagazine für Frauen, deren Macher es sich nicht nehmen lassen, jeweils ein Exemplar ins Büro und eines an die private Adresse zu schicken.

Und schließlich sind da noch all die DVD-Berge von Fernsehserien, die nichts anderes zeigen als eine wundersam in sich funktionierende Frauenwelt: allen voran der Seriendinosaurier «Sex and the City», dann «Desperate Housewives», «The L-Word» und so weiter. Serien, die jeder Konsumentin vorgaukeln, dass es sie tatsächlich gibt, die Realität, die einzig von schönen, erfolgreichen, wohlhabenden Frauen gestaltet wird, wo Feminismus kein Anliegen, sondern schon längst Normalität ist, und zwar eine derart etablierte Normalität, dass man ihn – außer in «L Word» – schon wieder als reaktionär verschreien darf.

Gut, der Feminismus müsste tatsächlich dringend in neuen Kleidern daherkommen und mit neuen Begriffen, denn was sich noch in redlichem Bemühen als feministisch verkauft – die Liederabende, die Gender Studies –, ist tatsächlich weit gehend ungenießbar geworden. Reaktionär ist allerdings die Wahrnehmungsfalle, die das Unterhaltungsestablishment in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Dieses Vorgaukeln von breitenwirksamer Arriviertheit, die in sich selbst wiederum so heimtückisch ist. Kein Wunder, ist «Desperate Housewives», die Serie, die darauf basiert, dass sich ein paar Frauen das Hausfrauendasein mal wieder so richtig satt und neurotisch leisten können, weil sie Männer haben, die genug Geld nach Hause bringen, Laura Bushs Lieblingsserie.

Die Muttertierverfechter

Kein Wunder, konnten im Windschatten dieser medial verbreiteten weiblichen Sorglosigkeit der letzten Jahre eifrige Patriarchats- und Muttertierverfechter wie Frank Schirrmacher, Ursula von der Leyen oder der amerikanische Soziologe Philip Longman aus ihren erzkonservativen Löchern kriechen. Erschreckende Aussagen werden da gemacht, die alle auf dasselbe hinauslaufen: Vor allem die Frau ist schuld am Elend der westlichen Welt, und nur das klassische Patriarchat kann diese vor dem Untergang retten. Aussagen, die man sich in dieser antifeministischen Drastik in den letzten dreißig Jahren nicht anhören musste.

Ach ja, Amerika, Hort der bewegten Bildermacht, hat übrigens nicht nur die konservativen Hausfrauen zum Welterfolg gemacht. «Sabrina – Total verhext» (für kleine Mädchen), «Bewitched – Verliebt in eine Hexe» (für etwas größere Mädchen) und «Charmed – Zauberhafte Hexen» laufen auch in Europa seit Jahren die Kanäle rauf und runter. Ihre Heldinnen sind jung, schön, meist Singles und – Hexen. Voilà: Mittelalter.

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Text: Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Zürcher Tagesanzeiger
Zeichnung: Regina Heinlein. Die bayerische Illustratorin - heute Wahlberlinerin, zeichnet mit Vergnügen Weibsbilder: www.reginaheinlein.de

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