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Elvira Bach sieht rot

Die Künstlerin Elvira Bach wurde 1951 in Neuenhain im Taunus geboren. Ihre selbstbewussten, kraftvollen Frauengestalten haben sie zu einer der berühmtesten Künstlerinnen unserer Zeit werden lassen. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Bildbetrachtung von Dr. Silke-Andrea Schuemmer

Die Betrachterin sieht schwarz: Erst den dominanten schwarzen Hintergrund, dann das schwarze Dreieck unter der Bluse, bei dem es der Phantasie überlassen bleibt, ob es ein winziger Slip ist oder reine Natur, und schließlich die schwarze Umrandung der Augen unter den dichten Brauen. Verführerisch räkelt sich die junge Frau, die der Künstlerin wie viele ihrer Frauenfiguren ähnlich sieht, und geizt nicht mit Reizen.
Eva sieht rot (2002)
Rot sehen im Sinne von wütend werden, scheint ihr Blick nicht auszudrücken, eher skeptisches, überaus selbstbewusstes Abwarten. Ihre durchsichtige, rotweiß karierte Bluse und die hinter dem Kopf verschränkten Arme bringen jede ihrer Kurven zur Geltung. In dieser Pose haben Maler aller Jahrhunderte Modelle und Musen, Sklavinnen und Geliebte dargestellt. Die liegende Schöne und oft auch Nackte hat als Aphrodite oder Muse die Maler fasziniert. 1863 sorgte Edouard Manet für einen Skandal, denn seine hingebreitete Olympia war nicht die scheinbar schlafende Keusche und auch keine überhöhte Göttin, sondern eine sehr wache, sehr kritisch beobachtende Frau aus Fleisch und Blut, die sich ihres Körpers bewusst war. Die Rezensenten wüteten wegen dieser skandalösen Auffassung von weiblicher Sexualität und befanden, es sei „eine schreckliche Leinwand, die sogar den Pöbel herausfordert“.

Auch die Eva der Künstlerin Elvira Bach, die in der Tradition dieser provokativen Bildnisse steht, verführt nicht, sie fordert heraus. Statt einer Sklavin sehen wir eine stolze, skeptisch blickende Frau, die sich nicht anbietet, sondern kühl ihre Schönheit präsentiert. Das Bildformat erscheint fast zu klein für die Kraft und Vitalität dieser Powerfrau. Wie auf einem Plakat, das für ein Produkt wirbt, setzt Eva ihren Körper und ihre Kleidung ein. Vom Scheitel der punkähnlichen Frisur bis zu den Sohlen der modernen roten Pumps, ist sie sich ihrer Wirkung bewusst. Ihr Blick zeigt, dass alles von ihr kalkuliert und berechnet ist: die durchsichtige Bluse, die gemusterten Strümpfe, die wie Tätowierungen die Haut schmücken, die unnatürliche Verrenkung. Nixenhaft liegt die moderne Eva da, hält Hof und taxiert mit distanzierter Strenge ihre Betrachter. Die stehen leicht unter ihr und müssen zu ihr aufblicken. Die neue Eva, die sich so selbstsicher in der Nachtschwärze bewegt, hat nicht mehr die Unschuld der verschämten Sklavinnen früher Jahrhunderte. Die Nacht, die sie beherrscht und ausfüllt, gehört ihr und das sind ihre Regeln: Bewundern darf man sie. Zu ihr hinauf nicht.

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Silke Andrea Schuemmer: Schriftstellerin und Kunsthistorikerin. Roman: Remas Haus, Berlin: Kookbooks 2004, zahlreiche Preise und Stipendien: Aufenthaltsstipendium des Kultursenats Berlin, Arbeitsstipendium des Kultusministeriums des Landes NRW, foglio-Literaturpreis, Christine-Lavant-Förderpreis für Lyrik (A), Stadtschreiberin von Otterndorf, Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis für Literatur, 2. Platz Gratwanderpreis der Zeitschrift Playboy, 2. Platz Literaturwettbewerb der Akademie Graz, Walter-Serner-Literaturpreis 2005, Arbeitsstipendium des Berliner Senats 2006

“Eva sieht rot” (2002)


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