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Alle Bilder (außer Bohrmaschine und Schrottplatz) und alle Texte: copyright Gabriele Bärtels 2006

Selbstauslöser

Erotische Fotografie am eigenen Leib

 

Ein Psychologe würde mich vermutlich für bekloppt erklären, aber ich kann nur sagen: Mädels, es macht Spaß, wenn man sich erst mal durchgerungen hat. Inzwischen könnte ich eine ganze Austellung mit Aktfotos meines Aphroditenkörpers bestreiten. Ich habe sie höchstpersönlich gemacht.

Das erste war völlig unscharf. Ich hielt zufällig meine Digitalkamera in der Hand und gedachte meines fernen Geliebten, da kam mir der Gedanke, das T-Shirt hochzuziehen, den Apparat auf Armlänge von mir wegzuhalten und das Objektiv auf meine blanke Oberweite zu richten. Ich drückte ab und es verwackelte ein bisschen. Mit der nächsten E-Mail schickte ich dem Geliebten das verschwommene Konterfei. Im Nachhinein war es mir peinlich. Wenig später erhielt ich einen hocherfreuten Anruf.

Das zweite Foto war schon nicht mehr ganz so zufällig. Ich zog alles aus, stellte mich seitlich zum Spiegel und hielt die Kamera so hoch, dass man sie im Bild hoffentlich nicht mehr sah. Am Computer musterte ich später ohne Wohlwollen die maximale Vergrößerung des Fotos: die Dellen unterhalb meines Pos, mein plattgedrücktes Schamhaar und die verrutschte rechte Brust. Das müsste sich doch besser hinkriegen lassen.

Die Sonne schien herein, die Vorhänge wehten ihre zarten Schatten im Zimmer herum, ich hatte Zeit, und niemand würde je davon erfahren. Zuerst hielt ich die Kamera nur in der ausgestreckten Hand und lenkte das Objektiv an meinem Körper herunter, so weit ich mich verrenken konnte. Dann bediente ich mich des Selbstauslösers. Damit der Bildhintergrund nicht aus Bügelbrett und Wäschekorb bestand, räumte ich eine Wand frei, stellte den Apparat auf einen Stuhl und richtete das Objektiv auf die Teppichstelle, auf der ich mich gleich räkeln würde.

Der Selbstauslöser gab mir zehn Sekunden Zeit, mir einen Gesichtsausdruck und eine Haltung zuzulegen. Ich versuchte verschämt, dem Fotoapparat meine erotische Zugewandtheit zu bekunden und wand mich wie ein Wurm vor der Linse. Ich nahm Stellungen ein, die ich im Playboy gesehen hatte und fühlte, dass es nicht meine waren, robbte über den Teppich zum Stuhl, um den Auslöser zu betätigen, krabbelte auf allen vieren zurück, bis ich mich wieder im Focus befand, stellte fest, dass ich rote Abdrücke auf den Knien hatte, unterbrach die Sitzung für mehr Lippenstift, matten Puder und eine anständige Frisur, kämmte auch mein Schamhaar, machte eine Großaufnahme von meiner Kehrseite, war hoch gespannt auf die Ergebnisse und wie ich von hinten aussah.

Am Abend saß ich vor dem Computer und prüfte die Bilder, und als meine beste Freundin anrief, verriet ich ihr nicht, was ich tat. Die Ausbeute war enttäuschend. Einige Aufnahmen waren peinlich pornografisch, auf anderen lag ich wie ein Opfer auf einem heidnischen Altar, die Playboy-Positionen wirkten hausbacken und verkrampft. Mir fiel auf, dass ich selten lächelte und wenn, dann schief. Ich löschte die schlimmsten Beweise sofort und begriff, dass ich das Kamera-Objektiv für einen Staatsanwalt hielt, vor dem ich das Schlimmste verbergen wollte. Dabei bestimmte doch ich allein, wie ich mich präsentierte, und es lag kein Gesetzbuch daneben.

Nur ein Bild war dabei, da war ich in albernes Lachen ausgebrochen. Das leicht verwackelte Schaukeln meiner Brüste gefiel mir, und ich schickte es meinem Liebsten. Die neunundneunzig gelöschten Dateien verschwieg ich.

Die nächste Foto-Session mit mir selbst machte ich nicht mehr für ihn oder den Playboy, sondern für mich. Ich fühlte mich herausgefordert, wollte die Kamera nicht länger als Feind betrachten, der mich entblößen und entlarven konnte. Es war doch nur ein Spiel, und jede Ernsthaftigkeit behinderte es. So schlang ich durchsichtige Tücher um meine Problemzonen, übte den lasziven Augenaufschlag, tanzte nackt mit dem Bügelbrett, nahm zwei Kochtöpfe, um meine Scham zu bedecken, umwickelte meine Brüste mit Plastikfolie und wedelte mit einem kitschigen Fächer und einem Rüschen-Regenschirm herum. Ich lächelte süß und kalt und gar nicht, schwang eine Gymnastikkeule, kroch als Eidechse über den Teppich, und mir gelang sogar eine perfekte Brücke. Ich legte einen breiten Gürtel um meine Taille, zog Wanderstiefel an, band mir einen Winterschal um den Hals und grinste die Linse an. Ich ließ meine Brüste davor baumeln und fand, dass sie so viel beeindruckender wirkten. Zum Schluss versprühte ich eine ganze Dose Schaumfestiger auf mir und trug dazu meine rosa Badekappe.

Ich musste mich sehr räuspern, als ich meine beste Freundin fragte, ob sie Aktfotos von mir sehen wollte, die ich selbst aufgenommen hatte. Natürlich wollte sie. Zwar soll man sich nicht selber loben, aber sie brach doch in Entzückensschreie aus: „Witzig! Dass Du Dich das traust!“

Nun machen wir nächstes Wochenende welche von ihr, und sie jammert schon, dass sie das bestimmt nicht fertig bringt, sowieso nicht gut aussieht, Speckröllchen an den Hüften hat und so weiter. So sind sie, die Frauen. Aber dann gehen sie doch los.

 

(Tip für die Nachahmerin mit Digitalkamera: Nur in Ausnahmefällen Aktfotos per E-Mail verschicken. Dateien halten länger als manche Beziehung und sind endlos kopierbar.)nach oben

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